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Omar Suleiman: Ägyptens neuer Vizepräsident

File photo of Egyptian Intelligence Chief Omar Suleiman
(c) REUTERS (Loay Abu Haykel)
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Die Ernennung Suleimans ist von den Demonstranten in Kairo größtenteils begrüßt worden. Der General wird auch von den USA als Nahost-Vermittler geschätzt.

Eines fällt sofort auf, wenn man sich die wichtigsten Stützen des Mubarak-Regimes ansieht: Die Herren sind so wie der 82-jährige Staatschef schon älteren Semesters.
Eine herausgehobene Rolle spielt seit Samstag Geheimdienstchef Omar Suleiman (74), den Mubarak zum Vizepräsidenten ernannt hat. Er ist seit 1993 Chefs des „General Intelligence Directorate“ im Ministerrang. Das US-Magazin „Foreign Policy“ stufte ihn 2009 als mächtigsten Geheimdienstchef des Nahen Ostens ein. Der in Ägypten und Moskau ausgebildete Soldat tat sich in den vergangenen Jahren auch als Vermittler zwischen den verfeindeten Palästinensergruppen Fatah und Hamas hervor, bisher ohne Erfolg.

Trotz seines Alters wurde er seit geraumer Zeit als möglicher Nachfolger Mubaraks genannt, ebenso wie der bisherige  Verteidigungsminister Mohamed Hussein Tantawi (75). Er ist Oberbefehlshaber der mit 468.000 Mann zehntgrößten Armee der Welt. Die ägyptischen Streitkräfte, die jährlich eine US-Finanzspritze von 1,3 Milliarden Dollar erhalten, sind ein entscheidender Machtfaktor und waren über die Jahrzehnte eine verlässliche Stütze der ägyptischen Präsidenten, die allesamt selbst aus dem Militär kamen. Tantawi, der bereits seit 1991 amtiert, hat reichlich Kriegserfahrung: Er nahm am Suezkrieg 1956 ebenso teil wie am Sechstagekrieg 1967 und dem Jom-Kippur-Krieg 1974. Er ist nicht mit dem 2010 verstorbenen Großscheich der al-Azhar-Moschee, Mohammed Sayyid Tantawi, verwandt.

Die zweite wesentliche Figur im Militär ist der vergleichsweise junge Generalstabschef Sami Hafiz Anan (62), der soeben zu Konsultationen in Washington war.
Der Vierte im Bunde von Mubaraks Sicherheitschefs war bisher Innenminister Habib el-Adli (72), der über ein eindrucksvolles Heer von 1,4 Millionen Sicherheitskräften verfügte, wenn US-Angaben aus einer bei WikiLeaks veröffentlichten Botschaftsdepesche korrekt sind. Eine ihrer Hauptaufgaben ist es, die islamistische Szene unter Kontrolle zu halten.

Nicht direkt dem Regime zugehörig, aber dennoch eine zentrale Figur ist der Großscheich der al-Azhar-Moschee, derzeit Ahmad Mohammad al-Tayyeb (65). Der Großscheich gilt als höchste Autorität im sunnitischen Islam und wird vom ägyptischen Präsidenten ernannt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.01.2011)