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Planungsdebakel: Der Eisring Süd liegt auf Eis

Stillstand statt Umbau Eisring
(c) Www.BilderBox.com
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In Wien Favoriten soll die größte Sportstätte Wiens entstehen. Die Realisierung dauert aber. Obwohl Pläne für einen radikalen Umbau seit Langem bekannt sind, sind Details und Zeitplan weiter offen.

Wien. Während der Eistraum vor dem Wiener Rathaus auch heuer wieder von tausenden Eisläufern gestürmt wird, ist die Zukunft einiger anderer Eislaufplätze in Wien ungewiss. Etwa die des Eisrings Süd bei der Raxstraße im 10. Bezirk. Denn obwohl Pläne für einen radikalen Umbau schon seit Langem bekannt sind, sind Details und Zeitplan weiter offen.

Die Favoritner Eissportanlage ist in die Jahre gekommen. Den namengebenden Eisring (Eis auf den Laufbahnen) gibt es seit zehn Jahren nicht mehr; im Winter bieten eine kleine Halle und Freiflächen Möglichkeiten zum Eislaufen. Stadt und Bezirk einigten sich auf eine Neugestaltung und lobten Mitte 2008 einen städtebaulichen Wettbewerb aus. Das Ergebnis wurde Anfang 2009 präsentiert: Ein Sportzentrum mit 26.000 Quadratmetern sollte es werden, mit einer Sport&Fun-Halle, einer Eis- sowie einer Volleyball- und Basketballhalle. Zugleich wurde aber auch eine 346 Wohnungen umfassende Anlage für mehr als 700 Menschen konzipiert.

 

Schule für das Areal

Ende 2009 wurde die Flächenwidmung beschlossen und die Opposition, die anfangs für die Neugestaltung war, äußerte Bedenken. Die ÖVP forderte etwa eine Schule in dem Areal. „Außerdem droht ein Verkehrschaos – es gibt viel zu wenig Parkplätze“, meint etwa Favoritens VP-Chef, Alfred Hoch. Auch die Grünen – mittlerweile Teil der Stadtregierung – forderten einen Schulneubau und Änderungen bei der Bebauungsdichte.

Zugleich bildete sich eine Bürgerinitiative, die Unterschriften gegen die Verbauung sammelte. Dorn im Auge sind vor allem die geplanten Wohnungen; das Gebiet sei ohnehin schon dicht besiedelt, so eine BI-Sprecherin.

Vergangenen Herbst geriet der Eisring kurzfristig in den Wahlkampf. ÖVP-Mandatare stellten sich bei einer Anrainerversammlung hinter deren Forderungen, was prompt eine SPÖ-Reaktion über die „unwissende“ Opposition hervorrief. Hier entstehe der modernste Sportkomplex Wiens, hieß es von SP-Seite. Es werde im Hintergrund gearbeitet, deshalb sehe man nichts. Planung und Budget seien aber voll im Zeitplan, wusste SP-Gemeinderat Christian Hursky.

Ganz so klar dürfte das aber nicht sein. Im Sportamt, dem die Anlage gehört, heißt es eher ungenau, dass man die Weichen für das Projekt heuer stellen wolle und verweist auf eine Liegenschaftsgesellschaft der Stadt, die die Detailplanung liefern soll. Dort aber verweist man wieder auf das Sportamt, „das uns sagen soll, was zu tun ist“. Im Hintergrund steht, dass es auch darum geht, welche Bauträger in welchen Dimensionen bauen können. Zudem soll es auch einen Streit zwischen Sportvereinen geben, die Wünsche äußern.

 

Kein Ende in Sicht

Somit wird Wiens „modernste Sportanlage“ wohl noch auf sich warten lassen – und den Eisring alt dürfte es noch weitere Winter geben. „Wir gehen davon aus“, meint Andreas Steinbach, der für den Wiener Eislaufverein die Anlage betreibt, „dass auch in der nächsten Saison die Eisanlage offen ist.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.01.2011)