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EU-Kommission legt Plan gegen Schulabbruch vor

EUKommission legt Plan gegen
(c) Clemens Fabry
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Fast jeder siebente Jugendliche in der EU bricht die Schule ab. Besonders betroffen sind Schüler mit Migrationshintergrund. Die EU-Kommission will die Quote deutlich senken.

Fast jeder siebente Jugendliche in der EU bricht die Schule ab. Insgesamt gibt es über sechs Millionen 18- bis 24-Jährige, die maximal die Sekundarstufe I (entspricht in Österreich Hauptschule bzw. AHS-Unterstufe) absolviert haben.

Die EU-Kommission will die Schulabbrecherquote nun mit einem Aktionsplan bis 2020 von derzeit 14,4 auf zehn Prozent senken. Österreich (8,7 Prozent Schulabbrecher) gehört mit Finnland, Litauen, Polen, Slowakei, Slowenien und Tschechien zu jenen Ländern, die die Benchmark von zehn Prozent bereits erreicht haben.

Die vorgeschlagenen Maßnahmen laut einer Aussendung der Kommission: Mehr individuelle Förderung, Unterstützung von Kindern mit anderer Muttersprache, Abschaffung von Klassenwiederholungen, Interventionen beim Schuleschwänzen und Angebote zum Wiedereinstieg in allgemeine oder berufliche Bildung.

Schulabbrecher in Europa

Die Situation in den EU-Staaten ist sehr unterschiedlich: Während es in Liechtenstein mehr als 44 Prozent Schulabbrecher gibt, sind es in Kroatien weniger als vier Prozent. In drei EU-Mitgliedsstaaten (Malta, Portugal, Spanien) liegt die Quote bei über 30 Prozent. Dabei beenden im EU-Schnitt 17 Prozent der Schulabbrecher lediglich die Volksschule, der Großteil (70 Prozent) steigt nach der Sekundarstufe I aus dem System aus.

Seit 2000 haben fast alle EU-Staaten ihre Schulabbrecherquote verringern können, darunter auch solche mit hohen Quoten: Luxemburg, Kroatien und Litauen bewirkten einen Rückgang um rund 50 Prozent. Österreich konnte die Quote um 14,7 Prozent verringern.

Halbe Million mehr qualifizierte Arbeitskräfte

Schulabbrecher sind häufiger ohne Beschäftigung: 52 Prozent unter ihnen waren 2009 arbeitslos oder vom Arbeitsmarkt ausgegrenzt. "Wäre der Anteil der Schulabbrecher in Europa nur um einen einzigen Prozentpunkt niedriger, gäbe es jedes Jahr fast eine halbe Million zusätzlicher qualifizierter junger Arbeitnehmer", so EU-Bildungskommissarin Androulla Vassiliou.

Eine hohe Zahl von Schulabbrechern behindert aus Sicht der Kommission die wirtschaftliche und soziale Entwicklung Europas, vor allem in der derzeitigen Wirtschaftskrise.

Problemfeld jugendliche Migranten

Besonders oft brechen laut der Untersuchung Jugendliche aus einem sozial benachteiligten oder bildungsfernen Umfeld oder auch Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf die Schule ab. Im EU-Schnitt sind außerdem Jugendliche mit Migrationshintergrund besonders stark betroffen: Ihr Anteil ist mit 26 Prozent doppelt so hoch wie unter einheimischen Jugendlichen.

Allerdings gibt es auch hier große Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern. In Griechenland, Spanien und Italien brechen mehr als 40 Prozent der jungen Migranten die Schule ab, das sind wesentlich mehr als unter Einheimischen. Auch in Österreich ist der Anteil an Schulabbrechern unter Migranten mit mehr als 20 Prozent über unter einheimischen Jugendlichen.

Viele Schulabbrecher unter Roma

In mehreren Mitgliedsstaaten gibt es außerdem unter den benachteiligten Minderheiten wie Roma besonders viele Schulabbrecher. In einigen Staaten wie Großbritannien, Portugal oder dem Nicht-EU-Land Norwegen sind Migranten unterdessen weniger stark betroffen als Jugendliche ohne Migrationshintergrund.

(APA)