Der ORF zeigt in der Doku-Soap "Der Laden läuft", was herauskommt, wenn er die private Konkurrenz nachahmt. Barbara Reichard zeigt Unternehmern in sechs Folgen, wie sie ihr Geschäft ankurbeln können.
Ein bisschen leid kann er einem tun, der ORF. Wenn er nämlich seine trotzige Saite aufzieht und Privatsender spielen will. Einmal nicht auf die ausgewogenen öffentlich-rechtlichen Inhalte achten, dafür nur mehr auf die Quote schielen – das sind die Tagträume der Programmplaner am Küniglberg.
Das Produkt dieser Tagträume heißt dann etwa „Der Laden läuft“. Eine Doku-Soap, die alle Zutaten enthält, die aus vergleichbaren Sendungen im Privatfernsehen bekannt sind: Die dezent sarkastische Erzählstimme aus dem Off, die dramatische Musik und eine harte Durchgreiferin, die verunsicherten Kandidaten erklärt, wo's langgeht. Das alles soll möglichst echt und authentisch wirken – Pech nur, wenn das Drehbuch, das zur Sicherheit trotzdem geschrieben wurde, die Hauptrolle übernimmt.
Barbara Reichard, Chefin von drei „Schönheitswerkstätten“ in Mödling und Wien, zeigt Unternehmern in sechs Folgen, wie sie ihr frisch gegründetes oder schon etwas eingerostetes Geschäft ankurbeln können. In Folge eins kommen Angela und Bettina, Besitzerinnen des Salons „Be Beautiful“ in Wien Neubau, in den Genuss von Reichards sprachlichem Fingerspitzengefühl. Sie übt Kritik so, dass es jeder versteht: Der Schneiderplatz von Angela sei „irgendwie ang'rammelt“, „grauslich“ der Rest des Salons, und schließlich bringt sie drastisch auf den Punkt, was sie sich denkt: „Das Neonlicht ist Scheiße.“
Auch wenn der ausgeprägte ostösterreichische Dialekt, den die beiden Kandidatinnen ebenfalls perfekt beherrschen, gewöhnungsbedürftig ist – die Dialoge wirken dadurch selten aufgesetzt, die Fremdschäm-Situationen halten sich in Grenzen. Wenn nur das Drehbuch nicht wäre, das zuerst einen Zickenkrieg befiehlt und dann plötzlich nach „Versöhnung!“ schreit. Für die Jungunternehmerinnen springt immerhin die Neugestaltung ihres Geschäfts heraus – damit der Laden wieder läuft. Kurz davor hatte Reichard noch gedroht: „Wenn ihr nichts tuts, heißts ihr nicht mehr ,Be Beautiful', sondern ,Be Closed‘.“ Verstanden?
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.02.2011)