Der ORF verschiebt eine bereits abgedrehte Folge der neuen Satireshow aus nicht nachvollziehbaren Gründen. Es ist möglich, dass die Folge mit dem provokanten Titel „Sind Schwule pervers?“ gar nicht gezeigt wird.
Die Ersten werden die Letzten sein. Ein seichter Spruch, das stimmt, aber in diesem Fall passt er gar nicht so schlecht. Weil der ORF sich selbst überholt hat, muss er nun eine Folge der neuen Donnerstagabend-Satire „Die Arge Talkshow“ auf „unbestimmte Zeit“ verschieben, wie es offiziell heißt. Und es ist möglich, dass die Folge mit dem provokanten Titel „Sind Schwule pervers?“ gar nicht mehr gezeigt wird – weil sie nicht mehr aktuell ist.
Gedreht wurde die Studiokonfrontation zwischen ORF-Moderator Alfons Haider und Rudolf Gehring, dem Vorsitzenden der Christlichen Partei Österreichs, schon vor mehreren Wochen, wurde sogar als DVD zur Vorabansicht an Journalisten verschickt. Nun hat sich Alfons Haider aber entschlossen, bei der nächsten Staffel „Dancing Stars“ mit einem Mann zu tanzen, was bei Niki Lauda für Empörung sorgte. Von Haiders Tanzvorhaben und der erhitzt geführten Debatte findet sich in der „Schwulen“-Folge kein Wort. Der ORF wolle sich nicht an der Debatte beteiligen, ob es zu seinem öffentlich-rechtlichen Auftrag gehöre, zwei Männer beim Tanzen zu zeigen. Verständlich – eine solche Debatte ist überflüssig.
Eine nette Ausrede. Viel eher scheint der ORF die Debatte als Vorwand zu nutzen, die ohnehin nicht besonders gelungene, unaktuelle Folge auszusieben. Wenn ein militanter Schwulenhasser auf einen Homosexuellen trifft, fallen auch in einer Satiresendung Sätze wie: „Homosexualität ist eine widernatürliche, verirrte Lebensweise“ (Gehring) und: „Wenn ich Sie so anschau, ist es mir beim Arsch lieber, dass ich schwul bin“ (Haider). Und das ist kein Spaß.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.02.2011)