Der Abgang hatte nichts mit dem Telekom-Aktienkauf zu tun, versichert die kleine Wiener Privatbank Euro-Invest. Es gebe keinen Zusammenhang. Die Bank war seit Längerem im Visier der Finanzmarktaufsicht (FMA).
Wien/Höll. Wegen des mysteriösen Kurssprungs der Telekom-Aktie richten sich die Blicke auf die kleine Wiener Privatbank Euro-Invest. Unter diesem Gesichtspunkt gerät die seinerzeitige Ablöse von Bankvorstand Johann Wanovits in das öffentliche Interesse. „Hier gibt es aber keinen Zusammenhang“, erklärte Wanovits.
Die Euro-Invest war seit Längerem im Visier der Finanzmarktaufsicht. Im jüngsten FMA-Bericht aus dem Jahr 2010 heißt es: „Der Verwaltungsgerichtshof hat die Beschwerde gegen einen Bescheid der FMA abgewiesen, mit dem einem Kreditinstitut aufgetragen wurde, den rechtmäßigen Zustand durch Abberufung des Geschäftsleiters herzustellen.“ Der Gerichtshof habe die Auffassung der FMA bestätigt, dass „rechtskräftige Verwaltungsstrafen nach dem Bankwesengesetz und dem Börsegesetz gewichtige Zweifel an der Zuverlässigkeit des Kreditinstituts begründen und daher die Abberufung rechtfertigen“. Wegen des Bankgeheimnisses durfte die FMA keine Namen nennen. Laut „Presse“-Informationen ging es dabei um die Euro-Invest. Deren ehemaliger Vorstand Wanovits erklärte zunächst auf Anfrage: „Ich wurde nicht als Geschäftsleiter abberufen, und es gab dazu kein Verfahren oder keine Beschwerde zum Verwaltungsgerichtshof.“ Schließlich konfrontierte ihn „Die Presse“ mit der Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofs aus dem Jahr 2009, in der eindeutig von der Euro-Invest die Rede ist.
Honorar für erneuerbare Energie
Wanovits sagte daraufhin, er sei mit seinem Abgang der behördlichen Entscheidung zuvorgekommen. Mit dem Kurssprung der Telekom-Austria-Aktie im Jahr 2004 habe das Ganze nichts zu tun, versichert die Euro-Invest. Bei Razzien beim Lobbyisten Peter Hochegger wurde eine Rechnung von Euro-Invest für eine Studie über erneuerbare Energien gefunden. Hochegger stand wiederum auf der Payroll der Telekom Austria, deren Manager im Jahr 2004 aufgrund eines mysteriösen Kurssprungs einen Bonus erhielten. Dieser wurde dadurch ausgelöst, dass die Euro-Invest Telekom-Aktien gekauft hatte.
Wanovits: „Mit dem Hochegger-Honorar gibt es keinen Zusammenhang.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.02.2011)