Erste Bank und Volksbanken wollen heuer noch einen Teil der Schulden beim Staat tilgen. Raiffeisen kauft dagegen in Polen zu. Raiffeisen-Chef Stepic verteidigt den jetzigen Zukauf als „strategisch sinnvoll“.
Wien/Höll. Kaum ist die Finanzkrise halbwegs überwunden, expandieren die Giebelkreuzer wieder im großen Stil in Osteuropa. Die Raiffeisen Bank International setzte sich in der Bieterschlacht um die polnische Polbank gegenüber BNP Paribas (Frankreich) und Sanpaolo (Italien) durch.
Der Deal kann von 490 Mio. Euro bis zu 665 Mio. Euro kosten. Denn Raiffeisen übernimmt im ersten Schritt für 490 Mio. Euro 70 Prozent an der Polbank. Deren Eigentümer, die griechische Eurobank EFG, hat jederzeit das Recht, die restlichen Anteile für mindestens 175 Mio. Euro an die Österreicher abzugeben.
Im Zuge der Finanzkrise haben sich die Giebelkreuzer viereinhalb Jahre mit Akquisitionen in Osteuropa zurückgehalten. Raiffeisen-Chef Herbert Stepic verteidigte am Freitag den jetzigen Zukauf als „strategisch sinnvoll“. Die Giebelkreuzer waren in Polen bislang vorwiegend im Firmenkundengeschäft vertreten, während sich die Polbank auf das Privatkundengeschäft konzentrierte. Gemessen an der Bilanzsumme rückt Raiffeisen damit in Polen vom zwölften auf den sechsten Platz vor. Für die Aktionäre soll sich dadurch aber nichts ändern.
Keine Kapitalerhöhung geplant
Laut Stepic sei wegen der Übernahme keine Kapitalerhöhung erforderlich. Auch eine vorzeitige Rückzahlung der Staatshilfe von 1,75 Mrd. Euro, die Raiffeisen im Zuge der Finanzkrise erhalten hat, werde nicht angestrebt. Die Giebelkreuzer gehen hier einen anderen Weg als Erste Bank und Volksbanken. Diese wollen noch heuer einen Teil der Schulden beim Staat vorzeitig tilgen. „Wir warten auf die Details zu den neuen Eigenkapitalvorschriften (Basel III)“, sagte Erste-Bank-Sprecher Michael Mauritz. Diese werden voraussichtlich bis zum Sommer vorliegen. Dann werde die Erste Bank über eine Rückgabe des staatlichen Partizipationskapitals entscheiden.
Erste-Bank-Chef Andreas Treichl hatte in der Vergangenheit immer wieder erklärt, es dürfe kein Dauerzustand werden, dass der Staat an Banken beteiligt sei. Als so gut wie fix ist, dass die Österreichische Volksbanken AG (ÖVAG) bis Jahresende 300 Mio. Euro an PS-Kapital abgibt. Auch in vielen anderen europäischen Ländern haben sich Finanzinstitute mittlerweile aus den Fesseln des Staates gelöst.
Laut Stepic ist für Finanzminister Josef Pröll (ÖVP) die Beteiligung an Raiffeisen ein gutes Geschäft, denn die Bank zahle dafür jährlich acht Prozent an Zinsen. Anders als die Hypo Kärnten und die ÖVAG, die im Zuge der Krise in die Verlustzone gerutscht waren, sei Raiffeisen dieser Vorgabe stets nachgekommen. Doch genau die hohen Zinszahlungen sind für Treichl der Grund, warum sich der Staat aus der Erste Bank zurückziehen soll.
Die Polbank schrieb in den ersten drei Quartalen 2010 einen Verlust von 26 Mio. Euro. Als Grund dafür nannte Stepic, dass sich für das Institut wegen der griechischen Eigentümerschaft zuletzt die Refinanzierungskosten verteuert hatten. Bis Sommer hatte die Polbank einen starken Anstieg des Kreditvolumens auf 5,1 Mrd. Euro. Trotzdem sei das Risiko laut Stepic überschaubar. Weitere Zukäufe schloss der Banker vorerst aus.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.02.2011)