Oder: Warum sich derzeit vieles wiederholt und nur manches besser wird.
Ob sich Geschichte wirklich einmal als Tragödie und einmal als Farce wiederholt sei dahingestellt. Diese Woche hat sich jedenfalls einiges abgespielt, das uns irgendwie bekannt vorkommt. Allen voran natürlich die Ereignisse in Ägypten, die wir aus Tunesien nur allzu frisch in Erinnerung haben. Wir warten gespannt, wie viel Wertgegenstände die Familie Mubarak bei ihrer Flucht mitnehmen wird. Man möchte fast wetten, dass die inzwischen legendären eineinhalb Tonnen Gold aus Tunis übertroffen werden. Zum Glück sind die Pyramiden Immobilien.
Auch der Heeresminister mit der Kampfbrille steht mit seiner rigorosen Personalführung nicht allein da. Nachdem der österreichische Generalstabschef gehen musste, wurde diese Woche sein designierter israelischer Kollege noch vor dem Amtsantritt in die Wüste geschickt. Er stolperte allerdings nicht wie sein österreichischer Kollege über freie Meinungsäußerung, sondern über dubiose Grundstücksgeschäfte.
In Deutschland wiederum machte diese Woche ein gewisser Dirk Niebel, den man nicht unbedingt kennen muss, den Berlakovich (nur zur Orientierung: Das ist der hiesige Landwirtschaftsminister, der neulich nach einem verpassten Flug am Pariser Flughafen laut geworden ist). Dem deutschen Entwicklungshilfeminister jedenfalls wurde auf einem irakischen Flughafen zwei Stunden lang die Weiterreise verweigert, und er musste sich mit 2500 Dollar freikaufen. Danach kündigte Niebel, der in der ersten Tranche der WikiLeaks-Depeschen von US-Diplomaten als „schräge Wahl“ bezeichnet wurde, den irakischen Behörden ein nicht näher definiertes „Nachspiel“ an. Niebel dürfte vergessen haben, dass die Saddam Hussein gewohnt waren.
In Deutschland steht eine Wiederholung der besonderen Art auf dem Programm. Songcontest-Siegerin Lena Meyer-Landrut hat sich die Chance genommen, nach ihrem letztjährigen Überraschungssieg fortan als deutsche Ikone durchs Leben zu laufen, und sich von ihrem Förderer Stefan Raab, den diesmal sein Instinkt verlassen haben dürfte, in eine Titelverteidigung hineintheatern lassen. Nun tritt Lena in einem gespenstischen SED-Szenario (süße Einheitssängerin Deutschlands) mit zwölf müden Liedern in einer Ausscheidung gegen sich selbst an. Man kann sich nur auch wiederholen: eine „schräge Wahl“.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.02.2011)