Das Dub-Punk-Politik-Büro: Gang of Four, 1977 in Leeds gegründet, war eine der einflussreichsten Bands des britischen Post-Punk. Ihr neues, siebentes Album: "Content".
„I Party All The Time“. „Capital (It Fails Us Now)“, „To Hell With Poverty“, „Why Theory?“ Viele Stücke der Gang Of Four klangen nach Slogans – und waren das auch. Aber nicht so eindeutig, wie sie klangen. Um es im marxistischen Slang zu sagen, den diese Band gern bemühte: Subjektive und objektive Faktoren mischten sich in ihren Songs oft hochgradig dialektisch. Auch in diesem neuen Stück, das die alte Frage variiert: Macht man sich schuldig an der Welt, wenn man tanzen geht, statt sie zu verändern? Oder ist das noch besser, als gutgläubig das Falsche zu tun? Jon King besingt einen Charakter, der nie dabei sein darf, egal ob's um Revolution oder Party geht. „I'm not innocent“, sagt er: „I'm a phoney. And I party all the time.“ Bei Hegel, was für ein Widerspruch! Und was für ein Rhythmus: ruppig (These) und geschmeidig (Antithese), okay (Synthese).
Den Song der Woche küren allwöchentlich Thomas Kramar („Die Presse“) und Boris Jordan (Radio FM4). Zu hören ist er am Sonntag zwischen 13 Uhr und 14.30 Uhr auf FM4.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.02.2011)