Irrlauf eines Kurzzeit-Kanzlers

Gerhard Schröder und Tony Blair haben es vorgemacht: Dass sich Politiker nach ihrem Abgang als Berater betätigen, gehört mittlerweile fast zum guten Ton. Verständlich, dass sich da auch Ex-Kanzler Alfred Gusenbauer nicht mit einem Versorgungsposten in der Arbeiterkammer zufriedengeben wollte.

Dass er für seine Tätigkeit ausgerechnet den kasachischen Autokraten Nursultan Nasarbajew erwählt hat, ist angesichts des marginalen weltpolitischen Einflusses Alfred Gusenbauers zwar kaum gefährlich. Wenn ihm aber auf die Feststellung, dass sich Nasarbajew zum „Führer der Nation“ auf Lebenszeit ausrufen ließ, nichts Besseres einfällt als die Gegenfrage, wo denn die Unterschiede zu Italiens Silvio Berlusconi liegen, lässt das interessante Rückschlüsse zu.

Vom humanistischen Staatsmann und Intellektuellen, den Gusenbauer so gerne spielte, scheint nicht viel übrig geblieben zu sein. Auch dass die Amtszeit heimischer Kanzler nicht beschränkt sei, führt er ins Treffen. Interessant. Dass das zumindest praktisch anders ist, sollte Gusenbauer in guter Erinnerung haben – ist er doch der bislang kürzestdienende Kanzler der Zweiten Republik.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.02.2011)

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