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Österreicher beim Design-Oscar

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Katzler(c) Clemens Fabry
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Der Brit Insurance Design Award zählt zu den wichtigsten Kreativpreisen der Welt. Drei heimische Kreative sind, ebenso wie das Apple iPad, nominiert worden.

Es ist eigentlich nur Klebeband – besser bekannt als „Tixo“. Aber genau das könnte Christoph Katzler zu einem der begehrtesten internationalen Designpreise verhelfen. Er ist für den Brit Insurance Design Award, der am 28.Februar in London vergeben wird, nominiert worden. Das Besondere an diesem Wettbewerb ist nicht nur der prominente Juryvorsitz unter Design-Guru und Mitbegründer des Design Museums Stephen Bayley, sondern die Tatsache, dass man sich für diesen Preis nicht bewerben kann. Eine Gruppe internationaler Kuratoren und Design-Experten wählt die Kandidaten aus.

Auf Augenhöhe mit den Größten. Und ebendiese dürfte über die Klebeband-Installation von Christoph Katzler und seinem Designbüro Numen/For Use gestolpert sein. Die Installation ist in der Kategorie Architektur nominiert worden. Sie wird bis Anfang August im Design Museum in London ausgestellt, ebenso wie alle anderen Nominierungen in den weiteren Kategorien Mode, Möbel, Grafik, Interaktivität, Produkt und Transport.

Auch der heimische Designer Rainer Mutsch (Möbel) und der in London tätige Wiener Andreas Pohancenik (Grafik) sind in den edlen Kreis der Nominierten – etwa neben dem Apple iPad – aufgenommen worden.

Aber zurück zum Tixo. Katzler und seine Kollegen Sven Jonke und Nikola Radeljkovic machen mit ihrem Designbüro Numen/For Use in erster Linie Möbeldesign und Bühnenbilder. Die Liste ihrer Kooperationspartner liest sich wie das Who's who der italienischen Möbelfirmen: Moroso, Zanotta, MDF Italia oder Cappellini. „Ich merke aber immer mehr, dass das räumliche Arbeiten gut zu uns passt, nicht nur beim Bühnenbild“, sagt Katzler.


Begehbares Tixo-Gewebe. Und dadurch ist auch die Tape-Installation entstanden. Ein befreundeter Künstler bat um Zusammenarbeit bei einem Tanzprojekt. Katzler stellte Holzstäbe auf die Bühne und ließ die Tänzer, bewaffnet mit Tixo, um die Stäbe tanzen. „Dadurch hat sich alles verklebt und verwurschtelt, das war sehr schön.“ Aufgeführt wurde das Stück zwar nie, aber die Tape-Idee war geboren. Auf öffentlichen Plätzen in Frankfurt, Berlin, Belgrad und Wien hat Numen/For Use mit dem großen begehbaren Gewebe für Aufregung gesorgt. „Ich hätte nie gedacht, dass man mit einer so schlichten Idee so viel Begeisterung hervorrufen kann. Es ist für die Leute ein Vergnügen und eine Inspiration, darin herumzuklettern“, so der Designer. Auch im Kunstbereich sei die Installation durchaus gut angekommen.

Allein die Nominierung für den britischen Design-Award freut Katzler besonders. „Das hat eine enorme Breitenwirkung, dort werden ja auch richtige Größen ausgestellt.“ Dass so ein internationaler Designpreis sich positiv aufs Geschäft auswirkt, hat Katzler zuletzt beim internationalen DMY-Preis in Berlin bemerkt. „Wenn du so etwas gewinnst, tut sich medial irre viel. Wir haben dadurch zehn Anfragen von großen Häusern bekommen.“

Dass er den Brit Insurance Design Award gewinne, glaubt er zwar nicht, aber: „Wenn, dann wäre das wirklich fett.“ Davon ist auch sein Kollege Andreas Pohancenik überzeugt, der in London als grafischer Designer tätig ist. Sein Katalog aus Zucker zur Ausstellung „Design Criminals“, die im Vorjahr im Wiener MAK zu sehen war, wird nun im Londoner Design Museum ausgestellt. Auch er bestätigt, dass der Preis, vor allem durch die Auswahl der Nominierungen durch Kuratoren und Experten, in der Designszene einen besonders hohen Stellenwert hat. „Preise bieten auch die Möglichkeit, ein anderes Klientel zu erschließen. Sie können Türöffner sein. Und es ist auch gut für das Selbstbewusstsein.“


Sitzen auf Eternit. Der dritte heimische Kreative im Bunde ist der Industrie- und Möbeldesigner Rainer Mutsch. Er hat schon bei der Entstehung seines nominierten Sitzmöbels „Dune“ für Eternit erfahren, wie hilfreich Preise sein können. Vor allem für Herstellerfirmen und potenzielle Kooperationspartner seien die Auszeichnungen so etwas wie ein Gütesiegel. „Für sie ist es eine Bestätigung“, meint er in Hinblick auf seinen Kooperationspartner Eternit. Der „red dot design award“, den Mutsch bereits für den Entwurf eines Sitzmöbels bekommen hatte, machte die Entscheidung für das heimische Traditionsunternehmen leichter.

Mutsch steht mit seinem modularen Outdoormöbel „Dune“ kurz vor dem Produkt-Launch. „Das ist ein neuartiges Möbel für den Outdoorbereich. Ein System wurde je aus einer einzigen Eternit-Platte gebogen und hält bis zu einer Tonne Gewicht aus. Es hat also maximale Tragkraft bei minimalem Materialverbrauch“, so Mutsch. Anfragen für „Dune“ gebe es bereits aus New York, Tokio und Australien. Auch er ist überzeugt, dass speziell dieser Preis für ein „irrsinniges Medienecho sorgt“. Aber: „Das Produkt ist trotzdem das wichtigste Kommunikationsmittel. Ein Preis ist eine Bestätigung dafür.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.02.2011)