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Trink das Trinken, Badezimmermann!

Trink Trinken Badezimmermann
(c) Bilderbox
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Die Somniloquie an sich ist harmlos

Das ist erstens beruhigend, zweitens allerdings für all jene unverständlich, die sich den deutschen Begriff dazu nicht aus dem Lateinischen herleiten können. Zusammengesetzt ist das Wort aus „somnus“, was Schlaf bedeutet, und aus „loqui“, was wiederum für Sprechen steht. Gemeint ist damit nichts anderes als das Phänomen, dass jemand im Schlaf Worte von sich gibt. Das ist in vielen Fällen nicht viel mehr als unverständliches Gemurmel. Gelegentlich kommt es aber doch immer wieder vor, dass das schlafende Gegenüber durchaus verständlich spricht.

Wenn es dann auch noch die Augen geöffnet hat und dem Nebenschläfer durch Rütteln an der Schulter zu verstehen gibt, dass es etwas zu sagen hat, wird es ein bisschen gruselig. So berichtete etwa eine Freundin, wie ihr Partner sie mitten in der Nacht aus dem Schlaf holte, sie mit starren Augen fixierte und sehr deutlich die bewegenden Worte sprach: „Trink das Trinken!“ Eine Aufforderung, die er auch nach zweimaligem schlaftrunkenen Nachfragen der Freundin sehr fordernd wiederholte. Wie soll man da reagieren? Sie murmelte schließlich etwas wie „Ist gut, ich trinke es ja eh schon aus“ – woraufhin er sich wieder zufrieden zusammenrollte. Schwieriger wurde es, als er ein anderes Mal keinen Imperativ somniloquierte, sondern mit – trotz Tiefschlafs – verzweifeltem Blick eine Frage stellte: „Wie heißt der Badezimmermann?“

Geht man davon aus, dass man im Traum Dinge verarbeitet, die einen auch tagsüber beschäftigt haben, werfen derartige nächtliche Gesprächsrunden jedenfalls einige Fragen auf. Trinkt die Freundin beim Fortgehen ihr Bier zu langsam? Kann man Schlafredner auch mit falschen Antworten zufriedenstellen? Und wer ist eigentlich dieser Badezimmermann?

 

E-Mails an: erich.kocina@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.02.2011)