Seit Jahrzehnten wird das Sterben des traditionellen Heurigenortes beklagt. Passiert ist seitdem wenig.
Das Lied vom Sterben des traditionsreichen Wiener Weinorts Grinzing ist alt. Regelmäßig wird beklagt, dass traditionsreiche Heurige und historische Gebäude verschwinden, Luxusappartements ihren Platz einnehmen. Und Weinbauflächen brachliegen, weil Spekulanten darauf warten, billig gekaufte Weinberge in teures Bauland umzuwidmen. Seit in Grinzing gejammert wird, werden Vorschläge zur Rettung angekündigt. Derzeit ist die Rede von einem neuen Leitbild, einer Attraktivierung des öffentlichen Raums. Nur: Ein paar Blumentöpfe auf der Straße, was unter Attraktivierung meist verstanden wird, werden Grinzing nicht retten.
Wenn der Stadt das historische Ortsbild so am Herzen liegt, wie immer beteuert wird, soll sie bauliche Auswüchse wie Abrisse oder Aufstockungen historischer Bauten bekämpfen. Das ist Aufgabe der Flächenwidmung, also der Stadtplanung. Von dort kam bis heute noch kein wirklich schlagendes Konzept.
Die Verantwortung nur auf das Rathaus zu schieben wäre aber zu billig. Die Weinbauern müssen auch ihren Teil beitragen. Wenn es die Branche nicht mehr schafft, Nachwuchs zu finden, der die Winzertradition hochhält, wird Grinzing so oder so sterben.
martin.stuhlpfarrer@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.02.2011)