Über den politisch korrekten Umgang mit unseren Tieren

Da griff ich zu der ärgsten Beschimpfung, die mir einfiel: „Sie Mensch, Sie!“ Das saß, und wie: Uga-uga-uga!

Die vorletzten Dinge

Mein heutiges Thema wird in Menschenschützerzirkeln, deren Mitglieder praktisch total verblödete Fettfleischesser sind, aus durchsichtigen Gründen – die nächste Schlachtplatte lockt schon! – regelrecht totgeschwiegen. Es geht um den politisch korrekten Umgang mit unseren Tieren. Umso dringlicher muss dieses Thema einer breiteren Öffentlichkeit, welche die nötige tierschützerische Reife besitzt (Animal-Rights-Aktivisten, Veganer etc.), zwecks Mobilisierung gegen die ideologisch verfettete Fleischesserphalanx vorgelegt werden.

Beginnen möchte ich mit einer unbezweifelbaren Wahrheit. Was immer mein Vollmops Paul zoologisch betrachtet sein mag, er ist ein Wesen wie du und ich. Ja, ich würde sagen, er ist menschlich, wäre „menschlich“ ohne qualifizierenden Zusatz nicht irgendwie beleidigend. Daher schlage ich – unbeschadet des Dünkels sogenannter Menschenliebhaber (Humanisten, alt und neu) – für meinen Vollmops Paul die Vollbezeichnung „Homo mopsiens sapiens“ vor.

Warum? Weil jeder Homo mopsiens sapiens in seiner Eigenschaft als „homo“, der gleichzeitig „sapiens“, vor allem aber „mopsiens“ ist, das unverbrüchliche Recht hat, vor politisch inkorrekten Attacken geschützt zu werden, zumal unser total verblödetes Recht den intelligentesten Tieren nicht das geringste Menschenrecht einräumt.

Jüngst erst passierte auf der Hundewiese Folgendes: Das Herrchen von Herrmann, dem italienischen Windspiel, welches seinen dünnen Rattenschwanz flach an seine Hühnerbrust drückt, bis er bei seiner Schnauze wieder hervorlugt, beschimpfte meinen sich gerade himmlisch erleichternden Paul zum x-ten Mal – wir berichteten bereits mehrfach: „Wenn Ihr Hund so weiterscheißt, dann scheißt er noch ganz Österreich voll!“ Da griff ich meinerseits zu der ärgsten Beschimpfung, die mir einfiel: „Sie Mensch, Sie!“ Und dieser total verblödete Mensch fühlte sich tatsächlich geschlechtsentwürdigt, denn er dachte, ich meinte „das Mensch“, weshalb er gleich sein Hosentürl aufzuknöpfen begann.

Schön, dabei kam zwar nichts heraus, die Demonstration jedoch erinnerte mich an eine Lehrstunde der politischen Korrektheit im Schönbrunner Zoo. Damals, 2007, stand ich mit meinem Lieblingsnachbarn, dem lieben Herrn Proll, und seiner „Vier Pfoten“-bewegten Tochter Tina Döner vor dem Käfig mit den Orang-Utans. Wir hatten einen Nachbarschaftsausflug gemacht. Nun schaute uns ein Orang-Utan an, wir schauten zurück. Ich fühlte mich dem Hominiden nachbarschaftlich nahe, weshalb ich ihn ein wenig kumpelhaft mit den Worten „Uga-uga-uga!“ begrüßte. Weil indessen der Orang-Utan durch die dicke Glasscheibe nichts hören konnte, stülpte er bloß seine Lippen aus, während er gelangweilt sein Skrotum befingerte.

Und plötzlich – Alfred „Gusi“ Gusenbauer war bereits Kanzler der Republik, ohne vorerst seinen jungsozialistischen Kaderhaarschnitt abgelegt zu haben – war dem lieben Herrn Proll eine Idee gekommen, die er seinem Töchterchen mitteilen musste: „Dea Off schaut aus wia dea Gusi!“ Daraufhin belehrte Tina Döner ihren erstaunten Papa, dass dies eine politisch total inkorrekte Form sei, über einen Menschenaffen zu sprechen. Total! Wenn schon, dann müsse es heißen: „Dea Gusi schaut aus wia dea Off“, weil das könne wirklich jeder mit freiem Auge sehen...

Dem lieben Herrn Proll war's recht, er wählte ohnehin nur die Blauen. Ich wiederum nahm mir vor, mit „Uga-uga-uga!“ keine Menschenaffen mehr zu begrüßen, sondern nur noch exklusiv menschliche Affen.


E-Mails an: peter.strasser@uni-graz.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.02.2011)

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