Stöwer: "Firmen aus unentdeckten Branchen interessant"

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Nestor-Fondsmanager Dirk Stöwer setzt auf Börsenfirmen, die von "echten" Unternehmen geführt werden und nicht von externen Managern. Im Interview verrät er, welche "unentdeckten Perlen" empfehlenswert sind.

Die Presse: Sie setzen hauptsächlich auf unternehmergeführte Börsenfirmen. Also auf Firmen, die von einem Unternehmer aufgebaut wurden und noch immer geleitet werden. Was ist der Vorteil zu anderen Firmen, in denen externe Manager, die irgendwann einmal zur Firma stießen, am Werk sind?

Dirk Stöwer: Unternehmer haben grundsätzlich eine andere Philosophie als Manager. Sie haben das Unternehmen aufgebaut, haben jahrelang Willensstärke bewiesen, verfügen über tief gehende Branchenkenntnisse und halten das Ruder der Firma fest in der Hand. Bei ihnen steht der nachhaltige Unternehmenserfolg an erster Stelle. Das kann man von vielen Managern nicht behaupten, da diese primär eigene Ziele verfolgen, indem sie auf ihre Karrieren oder auf Bonuszahlungen und daher nur auf den kurzfristigen Erfolg schauen.

Sie suchen also gezielt nach unternehmergeführten Firmen?

Nein, das nicht. Wir analysieren alle Firmen, deren Geschäftsmodelle interessant sind. In vielen Fällen erweisen sich aber Firmen, die von „echten“ Unternehmern geführt werden, als besser.

Gibt es spezielle Branchen, bei denen unternehmergeführte Betriebe systematisch besser sind?

Das kann man nicht an Branchen festmachen. In jeder Branche gibt es einige Perlen. Augenscheinlich während der Finanzkrise war etwa, dass unternehmergeführte Banken deutlich besser durch die Krise kamen als die großen Geldhäuser – etwa die MM Warburg aus Hamburg oder Rothschild aus Genf. Generell sind aber unternehmergeführte Firmen krisenfester, weil die Unternehmer eher konservativer als Manager agieren, daher die Bilanzen besser in Ordnung halten und genügend Cash auf der Seite haben. Damit können sie auch in Krisenzeiten flexibler agieren und sind dann nicht von einem Kreditgeber abhängig.

Wo befinden sich diese „Perlen“?

Grundsätzlich suche ich nach Branchen, die noch weitgehend unentdeckt sind. Das betrifft derzeit etwa die Branche der Outdoor-Bekleidung. Also Unternehmen, die multifunktionale Kleidung herstellen. Diese Firmen erleben einen Boom. Ein Beispiel ist Fenix Outdoor, eine Firma aus Schweden (SE0000104788). Fenix ist in den vergangenen Jahren sehr stark gewachsen, trotzdem gibt es derzeit nur zwei Analysten, die diese Firma bewerten, und kaum ausländische Investoren. Ähnlich verhält es sich auch mit Unternehmen, die sich mit Wärmedämmung beschäftigen. Hier gibt es nicht nur in Deutschland eine Sonderkonjunktur. Viele Häuser sind sanierungsbedürftig. Außerdem fördern einige Staaten Energiesparmaßnahmen. Unter den Investoren hat sich das noch nicht so sehr herumgesprochen. In der Branche gefällt mir besonders das deutsche Unternehmen Sto (DE0007274136).

 

Gibt es bestimmte Kriterien, anhand derer Sie diese Perlen ausfindig machen?

In erster Linie sollte ein Unternehmen über mehrere Konjunkturzyklen erfolgreich gewesen sein, also auch während der Krise. Wir schauen auch, dass die Eigenkapitalrentabilität, die Eigenkapitalquote und die Gewinnmarge relativ hoch ist. Aber das Wichtigste ist immer: Das Geschäft muss auch in der Zukunft blühen.

Welche Unternehmen fallen Ihnen in dieser Hinsicht noch ein?

Ein Unternehmen, das während der Krise wachsen konnte, ist etwa die spanische Viscofan (ES0184262212), die Wursthüllen herstellt. Die Firma produziert in China und ist sehr erfolgreich in den USA – ein echter Profiteur der Globalisierung. Neben diesen eher unspektakulären Branchen gibt es aber auch glamouröse Branchen wie Uhren. Hier ragt – auch wenn sie schon breitflächig bekannt ist – die Schweizer Swatch Group heraus (CH0012255151).

Auf einen Blick

Dirk Stöwer ist Fondsmanager bei der Fondsgesellschaft Nestor aus Luxemburg.

Strategie. Stöwer setzt mit seinem Fonds hauptsächlich auf Börsenfirmen, die von „echten“ Unternehmern geführt werden und nicht von externen Managern.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.02.2011)