Mit dem Rücktritt von Kevin Warsh geht der US-Notenbank Fed einer der wichtigsten Vertreter einer straffen Geldpolitik verloren. Auch Warshs Kontakte zur Wall Street gelten als kaum ersetzbar.
US-Notenbankchef Ben Bernanke verliert einen seiner engsten Vertrauten. Fed-Gouverneur Kevin Warsh, ein vehementer Vertreter einer straffen Geldpolitik, gibt überraschend seinen Posten bei der US-Zentralbank auf. Er trete Ende März ab, teilte der ehemalige Morgan-Stanley-Banker am Donnerstag mit. "Ich fühle mich geehrt, in einer Zeit großer Tragweite gedient zu haben", sagte Warsh.
Warsh gehörte seit Februar 2006 dem einflussreichen Notenbank-Direktorium an. Der heute 40-Jährige war damals der jüngste Gouverneur in der Geschichte der US-Notenbank Federal Reserve (Fed). Für seinen Rücktritt nannte er keine Gründe. Warsh behauptete sich als "Markets Guy" innerhalb der Notenbank, die stark von Ökonomen geprägt ist. Seine Kontakte zur Wall Street und den Banken sind zahlreich.
Vertreter einer straffen Geldpolitik
Warsh war einer der größten Skeptiker, was das Anleihen-Aufkaufprogramm der Fed betraf. Die Notenbank hatte Anfang November 2010 beschlossen, bis Mitte 2011 Staatsanleihen im Volumen von rund 600 Milliarden Dollar (441 Milliarden Euro) aufzukaufen um damit der mauen Konjunktur auf die Beine zu helfen. Er stimmte dem Programm zwar zu, sprach sich in den Tagen nach der Entscheidung aber dagegen aus.
Der Rücktritt des Hardliners wird als Vorteil für denjenigen Flügel innerhalb der Fed gewertet, der eine Fortsetzung der lockeren Geldpolitik befürwortet und eine höhere Inflation in Kauf nimmt.
Enger Kontakt mit der Wall Street
Auch wenn sich Bernanke und Warsh beim massiven Kauf der US-Anleihen nicht einig waren, galt Warsh als enger Vertrauter. Warshs "tiefgehendes Wissen der Finanzmärkte- und Institutionen hat sich während der aktuellen Krise als unbezahlbar erwiesen", sagte Bernanke in einer Stellungnahme zum Rücktritt. Die Finanz-Nachrichtenagentur "Bloomberg" befürchtet daher, dass sich der Einblick der Notenbank in das Geschehen an der Wall Street drastisch reduzieren könnte - zumal die Fed im September 2010 mit Donald Kohn bereits einen ausgewiesenen Finanzmarkt-Experten verloren hat.
"Der Kontakt mit den Märkten, das Wissen, wie Märkte funktionieren - das ist sehr wichtige für die Politik der Notenbank", zitiert "Bloomberg" den ehemaligen Fed-Gouverneur Lyle Gramley. "Kevin hatte sehr engen Kontakt mit der Wall Street. Es wäre gut, wenn sie jemanden als seinen Nachfolger ernennen, der über ähnliche Verbindungen zur Wall Street verfügt."
Warsh als Bernanke-Nachfolger?
Reuters Breakingnews-Kolumnist Martin Hutchinson sieht im Rücktritt von Warsh keinesfalls einen Karriereknick.
Warsh könne außerhalb der Notenbank mehr für seinen Geldpolitik-Kurs bewirken. Sollte eine hohe Inflation oder ein neuerlicher Finanzmarkt-Crash die Glaubwürdigkeit der Fed-Politik zerstören, könnte Warsh bereitstehen, um Bernanke zu ersetzen, ist Hutchinson überzeugt.
Mit Estée Lauder-Enkelin verheiratet
Warsh ist mit Jane Lauder, der Enkelin des Gründers des Estée Lauder-Kosmetikkonzerns, verheiratet. Ein Fed-Vertreter sagte, Warsh habe noch keine weiteren Karriere-Pläne.
(Red./Ag.)