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China: Pekings Regierung fürchtet soziale Unruhen

(c) REUTERS (STRINGER SHANGHAI)
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Um die Inflation zu dämpfen, hat Chinas Zentralbank in dieser Woche die Leitzinsen für Kredite erhöht, zum dritten Mal seit dem vergangenen Herbst. Die Regierung fürchtet soziale Unruhen.

Peking. Nach Monaten der Trockenheit kam am Donnerstag die Erleichterung: Erstmals fiel wieder Schnee in Peking. Ob der Niederschlag ausreicht, um die von der Dürre bedrohte Weizenernte dieses Jahres zu retten, bleibt dahingestellt: Schon fürchten viele Chinesen, dass die Lebensmittelpreise noch schneller nach oben schießen werden als bisher.

Endgültige Zahlen gibt es zwar noch keine – Ökonomen erwarten aber, dass Konsumgüter im Jänner um 5,4 Prozent teurer waren als im Jänner des Vorjahres. Für Getreide, Fleisch und andere Nahrung dürften die Kunden wohl noch mehr gezahlt haben. Premierminister Wen Jiabao hat daher zu Neujahr erklärt, der Kampf gegen zu hohe Preise sei derzeit seine wichtigste Aufgabe.

Die Regierung fürchtet soziale Unruhen, wenn sich die Geldbeutel der Bürger zu schnell leeren. Um die Inflation zu dämpfen, hat Chinas Zentralbank in dieser Woche die Leitzinsen für Kredite erhöht – zum dritten Mal seit dem vergangenen Herbst.

Künftig müssen die Banken für Einlagen mit einjähriger Laufzeit drei Prozent Zinsen zahlen, bislang waren es 2,75 Prozent. Der neue Satz liegt aber immer noch unter der Inflationsrate. Wer für denselben Zeitraum einen Kredit aufnimmt, muss 6,06 Prozent Zinsen zahlen (statt 5,81 Prozent).

 

Enorme Geldmengen in Umlauf

Die Regierung versucht gleichzeitig, die enormen Geldmengen zu reduzieren, die in China im Umlauf sind. Sie fürchtet, die Wirtschaft könne sich überhitzen, denn das Bruttoinlandsprodukt wuchs im vierten Quartal 2010 mit 9,8 Prozent deutlich stärker als geplant. Dies ist nicht zuletzt eine Folge des staatlichen Konjunkturpakets von umgerechnet rund 460 Mrd. Euro und der damit verbundenen Anweisung Pekings an die Banken, Kredite großzügig zu vergeben.

Nach einem Bericht der angesehenen Finanzzeitschrift „Caixin“ verliehen Chinas Geldhäuser im Jahr 2009 umgerechnet mehr als 1000 Mrd. Euro (9,58 Billionen Yuan) und im Vorjahr etwa 880 Mrd. Euro.

Damit schäumten sie aber auch den Immobilienmarkt gefährlich auf. Der Grund: Viele Firmen, Behörden und reiche Privatleute modernisierten mit dem geliehenen Geld nicht nur Fabriken oder Geschäftsgebäude. Sie zweigten auch einen Teil der Kredite ab und kauften davon städtische Appartementblocks, die eine schnellere Rendite versprachen.

Das trieb die Preise stark in die Höhe. Die Quadratmeterpreise entstehen in der Regel nicht auf Basis von möglichen Mieteinnahmen, sondern vom erwarteten Wiederverkaufswert. Die Folge: In Chinas Städten stehen allerorts Wohnsiedlungen leer, weil sich niemand die Mühe macht, sie zu vermieten. Zugleich wissen viele Chinesen nicht, wie sie die hohen Preise für ein eigenes Heim bezahlen sollen. Das schafft böses Blut.

 

Banken schließen Kreditschalter

Insgesamt will die Regierung nach Informationen von „Caixin“ die Kreditvergabe der Banken für 2011 auf etwa 665 Mrd. Euro (sechs Billionen Yuan) begrenzen. Einige Bankfilialen haben in den vergangenen Tagen daraufhin ihre Kreditschalter geschlossen. Andere weigerten sich, neue Hypothekarverträge zu bearbeiten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.02.2011)