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Großglockner-Hochalpenstraße: Die Rad-Maut fällt

Grossglockner RadMaut faellt
(c) Gro�glockner Hochalpenstra�en AG (Gro�glockner Hochalpenstra�en AG)
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Straßenbetreiber macht nach wütenden Protesten Rückzieher: „Das war schon fast Fundamentalismus.“ Vergangenen Samstag hatte die GROHAG ein „Sicherheits- und Servicepaket für Radfahrer“ präsentiert.

Salzburg. . Hoch oben, auf der Großglockner-Hochalpenstraße, stapelt sich derzeit noch meterhoch der Schnee. Tief unten im Tal konzentriert sich der Zorn einer bunten Allianz aus Hobbysportlern, Umweltschützern, Weltverbesserern und Politikern gegen den Plan, ab dem Frühling Radfahrern für die Benutzung des bis zu 2503 Meter hohen Alpenpasses eine Maut von fünf Euro abzuverlangen. Genau eine Woche nach Bekanntwerden des Vorhabens nahm die Großglockner Hochalpenstraßen AG (GROHAG) am Freitag wieder alles zurück. Um einen (noch) größeren Imageschaden für das Unternehmen zu verhindern, so die offizielle Begründung, werde man darauf verzichten. Was war geschehen?

Vergangenen Samstag hatte die GROHAG ein „Sicherheits- und Servicepaket für Radfahrer“ präsentiert. Dabei sorgte das Kleingedruckte für breite Aufregung. Ab kommenden Frühling sollten Radfahrer, die zwischen 9 und 15 Uhr die Mautstellen in Ferleiten und Heiligenblut passieren, eine Benutzungsgebühr von fünf Euro zahlen.

 

Aufstand im Internet

Zweck des Plans war es, die jährlich knapp 20.000 Radfahrer auf dem Glockner in die verkehrsarmen Randzeiten zu drängen. „Aus Sicherheitsgründen und nicht, um unsere Umsätze aufzufetten“, wie GROHAG-Vorstand Christian Heu der „Presse“ versichert. Jährlich nimmt das Unternehmen knapp sieben Millionen Euro ein. Die Maut für Radfahrer sollte laut Businessplan künftig zwischen 30.000 und 40.000 Euro abwerfen.

Der Widerstand formierte sich rasch. Die Internetforen der Radfahrergemeinde (bikeboard.at, quaeldich.de) füllten sich innerhalb weniger Stunden mit erbosten Postings, im sozialen Netzwerk Facebook entstanden Protestgruppen. Zusätzlich machten Lobbying-Organisationen, Landespolitiker aus Salzburg und Kärnten sowie mehrere Tourismusverbände mobil. Und es hagelte Briefe. Böse Briefe. „Vieles von dem, was da gesagt oder geschrieben wurde, grenzte fast schon an Fundamentalismus“, sagt Heu.

Trotzdem: Auch wenn die Mautpläne inzwischen Geschichte sind, wollen GROHAG und Verkehrspolizei an ihrem Plan festhalten, das Sicherheitsniveau auf der Glocknerstraße zu heben. Wie, darüber wird demnächst beraten. Die Rede ist von einer eigenen Radspur, Infobroschüren über richtiges Verhalten und das Angebot einer freiwilligen Unfallversicherung für einen Euro.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.02.2011)