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Schüsse in Niederösterreich fordern zwei Tote

SCHUSSWECHSEL IN HIRTENBERG: ZWEI POLIZISTEN VERLETZT
(c) APA/HERBERT NEUBAUER (Herbert Neubauer)
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Ein 34-Jähriger dürfte sich bei der Schießerei mit Polizisten am Freitag selbst getötet haben. Ein Beamter erlag einen Tag später seinen Verletzungen.

Der Schusswechsel in Hirtenberg im niederösterreichischen Bezirk Baden vom Freitagnachmittag hat ein zweites Todesopfer gefordert. Ein 26-jähriger Beamter der Polizeiinspektion Bad Vöslau ist am Samstag seinen Verletzungen erlegen. Das teilte die Sicherheitsdirektion am Samstag mit. Der Polizist starb am frühen Nachmittag im Landesklinikum Wiener Neustadt. Tödlich war letztlich ein Treffer in die Leber. Die Leiche des Beamten wird auch noch obduziert

Ein weiterer Beamter der Polizeiinspektion Bad Vöslau, der am Samstag 39 Jahre alt wurde, erlitt schwere Verletzungen. Er befindet sich im UKH Wien-Meidling.

Tödlicher Kopfschuss selbst gesetzt

Unmittelbar bei dem Schusswechsel kam der 34-jährige Thomas P. aus Enzesfeld ums Leben. Er starb letztlich durch einen Schuss in den Kopf, den er selbst gesetzt hatte. Das ergab die am Samstag durchgeführte Obduktion. Ebenfalls tödlich waren aber auch zwei Treffer aus den Dienstwaffen der Polizisten.

Die Leiche des 34-Jährigen wies insgesamt fünf Schussverletzungen auf. Die Polizei hatte nach ihm gesucht, weil er mit dem Selbstmord gedroht hatte. Außerdem wurde er von der Justiz gesucht.

Nach verpasstem Hafttermin gesucht

P. hätte diese Woche in  Wiener Neustadt eine Haftstrafe antreten sollen. Es ging dabei um das eher geringe Ausmaß von zwei Monaten, verurteilt wurde er wegen eines Betrugsdelikts.

Der Mann wollte die Strafe aber unter keinen Umständen antreten. Vielmehr hat er Selbstmordabsichten geäußert. Seine Ehefrau, mit der P. ein Kind hatte, informierte deshalb die Polizei. Als diese im Haus der Familie eintraf,

war P. nicht mehr da. Aus seinem Tresor fehlte eine seiner beiden Waffen vom Typ Glock 19. Der Mann besaß die Pistolen legal. Wegen der Selbstmorddrohung und dem Verschwinden des Mannes wurde Verstärkung angefordert.

Eskalation im Waldgebiet

Zehn Polizisten suchten darauf nach dem 34-Jährigen. In einem Waldgebiet bei Hirtenberg kam es dann gegen 15.15 Uhr zu der verhängnisvollen Begegnung: Zwei Beamte trafen auf den Gesuchten, sie wollten ihn überprüfen. Aus den Funkprotokollen geht hervor, dass er zuerst einen falschen Namen genannt und dann das Feuer eröffnet hat, sagt die Polizei am Samstag. Die Beamten erwidern die Schüsse.

Geschossen wurde aus nächster Nähe, nach Angaben der Ermittler aus der "Gesprächsdistanz" von zwei bis vier Metern. Die Polizisten seien "mehrfach" in Brust und Bauch getroffen worden, so die Ermittler.

Funkgerät als Lebensretter

Dem Beamten, der heute 39 Jahre alt wurde, hatte vermutlich das Funkgerät das Leben gerettet. Der zweifache Familienvater hatte in der linken Brusttasche getragen. Es wurde von einem Projektil durchbohrt.

Auch das Funkgerät des 26-jährigen Kollegen, um dessen Leben die Ärzte bis heute vergeblich kämpften, wurde beschädigt. Beim Eintreffen der Kollegen in dem Waldstück haben die schwerst verletzten Beamten daher durch Signalschüsse auf sich aufmerksam gemacht. Der 34-Jährige war zu diesem Zeitpunkt bereits tot.


Thomas P. nicht als Gewalttäter bekannt

Der überlebende Beamte konnte zum Hergang der Schießerei noch nicht befragt werden.

"Wir vermuten, dass die Kollegen überrascht wurden", sagte Landespolizeikommandant Arthur Reis zur Situation am Tatort einen Tag nach der Schießerei. Thomas P. sei nicht als Gewalttäter bekanntgewesen, sagte der niederösterreichische Sicherheitsdirektor Franz Prucher.

Es habe deshalb auch keinen Grund gegeben, dem Mann - Vater eines Kindes - die Waffenbesitzkarte abzunehmen. Der 34-Jährige sei zuletzt arbeitslos gewesen. Die Aufforderung zum Haftantritt hatte er im Jänner erhalten. 

(APA/red.)