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Matt Damon: "Nicht alle meine Filme waren gut"

Matt Damon Nicht alle
Matt Damon(c) AP (Carlo Allegri)

Auf der Berlinale war er in "True Grit" zu sehen, im Interview spricht Matt Damon aber auch über anderes. Zum Beispiel über seine vier Töchter und den Druck, in 100-Millionen-Dollar-Produktionen mitzuspielen.

Das New Yorker Ritz Carlton Hotel, direkt am Central Park. Auf dem langen Hotelflur kommt er daher, mit Jeans, kariertem Hemd, breitem Lächeln und einem Kaffeebecher in der Hand. Kein Wunder, dass Matt Damon einem immer wieder vorkommt wie der perfekte „All-American-Guy“. In Ethan und Joel Coens „True Grit“ spielen der 40-jährige und Jeff Bridges die Hauptrollen. Der Western hat heuer die Berlinale eröffnet.

 

In „True Grit“ werden Sie zum Vertrauten einer 14-Jährigen, die den Mörder ihres Vaters sucht. Machen Ihre vier Töchter Sie zum Spezialisten für so eine Rolle?

Matt Damon: Ja, ich glaube, es war für den Film ganz gut, dass ich Töchter habe – und Jeff Bridges hat ja auch drei. Die meisten aus dem Filmteam sind selbst Eltern, sodass es für Hailee Steinfeld eine sehr angenehme Atmosphäre war. Das sage ich nicht oft, dass ich Drehorte für geeignete Orte für Kinder halte, aber hier hätte ich sogar meine Töchter mitspielen lassen.

Ein Kompliment an Ihre beiden Regisseure?

Ethan und Joel sind ja auch Väter, ihre Kids haben uns am Set besucht und während ihrer Ferien hier gejobbt. Ethans Sohn Buster wird sogar im Abspann des Films aufgeführt, und zwar als mein Bauchmuskel-Double ... Das hat er sich wohl selbst ausgedacht.

 

„Je besser der Ruf eines Films, desto weniger besteht Anlass, ein Remake davon zu machen“, heißt es. Hatten Sie die Originalversion von „True Grit“ gesehen?

Ich habe sie mir besorgt. Aber die DVD ist immer noch in Folie verpackt. Das Familienleben hat mir einfach keine Zeit dafür gelassen. Außerdem sagten die Coen-Brüder, dieser Film sei kein Remake, sondern basiere auf dem Roman. Also habe ich den gelesen.

 

Wie lässt sich der Stil der Coen-Brüder mit dem anderer Filmemacher vergleichen?

Sie haben einen ganz eigenen Stil. Sie bereiten den Dreh gründlich vor und beziehen die Schauspieler dabei schon ein. Und ich hatte während des Drehs – und das bedeutet immer Chaos – nie Angst, es könnte etwas schief laufen. Die beiden waren zu jeder Zeit Herr der Lage.

 

Haben Sie bei anderen Drehs oft Bedenken?

Andauernd. Filme sind teuer. Wenn man in einem 100-Millionen-Dollar-Film mitspielt, der hundert Drehtage hat, rechnen Sie einmal nach! Da gibt man pro Tag eine riesige Menge Geld aus. Bei „Bourne Ultimatum“ haben die Waterloo-Szenen über 500.000 Dollar pro Tag gekostet. Wenn da viele Einstellungen nicht klappen, sieht man förmlich, wie das Geld durch den Schornstein raucht. Da lastet mir schon großer Druck auf den Schultern.

 

Was haben Sie von den anderen „Autoritäten“ am Set gelernt, wie Jeff Bridges?

Jeff ist beeindruckend. Er ist immer sehr gut vorbereitet und extrem diszipliniert. Gleichzeitig ist er ein Mann mit einer tiefen Seele. Das sieht man seinem Spiel an. Wenn man ihm in die Augen schaut, merkt man, dass sich in seinem Inneren ganz viel abspielt. Ich habe darüber viel nachgedacht: Es gibt Schauspieler, deren eindrucksvolles Spiel aus ihrer eigenen dunklen Seite kommt oder dem inneren Zorn. Und dann gibt es die, deren Quelle etwas anderes ist: reine Freude. Dazu gehört Jeff. Wenn er spielt, empfindet er ein tiefes inneres Vergnügen. Das ist ansteckend.

Und sicher auch selten.

Bei Morgan Freeman ging mir das genauso. Diese Kollegen sind so gut, dass man am Set eigentlich nur anwesend sein muss – den Rest übernehmen sie. Da denkst du, Spielen sei die leichteste Sache überhaupt. Ich weiß aber auch, wie schwierig und mühsam es manchmal ist, wenn gar nichts geht. Daher weiß ich, dass ich diese Momente der Leichtigkeit nicht mir selbst verdanke, sondern diesen großartigen Kollegen.

 

Was haben Sie aus der Zeit, als Sie mit Ben Affleck für „Good Will Hunting“ einen Oscar für das beste Drehbuch gewannen, gelernt?

Oh je, das fühlt sich an, als wäre es schon 100 Jahre her. Die Zeit habe ich nur verschwommen in Erinnerung. Ich hatte wohl Glück, denn ich habe zwölf Jahre lang ununterbrochen gearbeitet. Nicht alle Filme, die ich gemacht habe, waren gut, aber es hat mir andere Probleme erspart. Im Jahr 2010 habe ich zum ersten Mal eine echte Pause eingelegt und sechs Monate nicht gearbeitet.

Was machen Sie während so einer Pause?

Ich bin einfach Vater.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.02.2011)