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Kampf um Olympia 2018: "Wir sind ja hier kein Museum"

Kampf Olympia 2018 sind
(c) AP (David Guttenfelder)
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In 144 Tagen fällt die Entscheidung, wo die Winterspiele in sieben Jahren stattfinden. Rund um die Kandidatur Münchens und Garmisch-Partenkirchens gibt es viel Aufregung.

Hinter den Kulissen wird wie wild gewerkt. Deutschland bereitet sich auf das Supersportjahr 2018 vor: Golfer und Wintersportler sollen sich in Deutschland messen.

Beide Veranstaltungen werden heuer vergeben: Die Ryder-Cup-Entscheidung fällt am 17.Mai im englischen Virginia Water. Zugpferde der Bewerbung sind Bernhard Langer und Martin Kaymer, der demnächst Nummer eins der Golfwelt werden könnte. Bis zur Vergabe der Olympischen Spiele sind es noch 144 Tage: Entschieden wird am 6. Juli 2011 in Durban, Südafrika. Visitenkarte dieser Bewerbung ist die Ski-WM.

Doch im Gegensatz zum Ryder Cup, der im oberbayerischen Ingolstadt stattfinden soll, kämpft die Olympia-Bewerbung mit Gegenwind. Befürworter und Gegner haben sich mit Vereinen in Stellung gebracht: mit Nolympia und OlympiJA. Beide Seiten argumentieren mit Ökologie und Nachhaltigkeit. Bloß mit unterschiedlichen Intentionen.

Heinz Mohr, Chef der WM-Rennorganisation und Vorsitzender von OlympiJA, hört den Ruf aus der Bevölkerung nach besserer Infrastruktur. „Garmisch-Partenkirchen entwickelt sich seit Jahren wirtschaftlich negativ, die Bevölkerung veraltert, junge Leute siedeln ab, weil sie keine Berufschancen haben.“ Die Spiele hingegen würden mittelfristig Arbeitsplätze schaffen.

Den Tourismus weiterzuentwickeln sei sinnvoll, sagt auch Axel Doering von NOlympia. „Wir sind hier ja kein Museum.“ Aber, schränkt er ein, Olympia passe nicht in das „Lohas“-Konzept, das sich der Ort vor wenigen Jahren verordnet hat: „Lifestyle of health and sustainability“. Mit Gesundheitstourismus und Nachhaltigkeit wolle man eine mittelalte, kaufkräftige, umweltbewusste Zielgruppe ansprechen. „60 Prozent der Gäste kommen im Sommer“, sagt Doering, „sie wollen intakte Natur“ und keine von Pisten zerschnipselte Landschaft.

Ski- und Olympia-Stadion, Bergbahnen und Eishalle müssten jedenfalls renoviert werden, argumentiert Mohr. Olympia böte die Chance, mehr Zuschüsse zu bekommen. Natürlich werde für Olympische Spiele in die Infrastruktur investiert, sagt Doering, aber man werde Bauten errichten, die man ausschließlich für die Spiele brauche.

Für die Gegner ist Olympia zu groß für das enge Tal. Statt elf Bewerben wie bei dieser WM würden 2018 rund 50Wettkämpfe ausgetragen werden. Zusätzliche Loipen, Biathlon- und Snowboardanlagen müssten geschaffen werden, werfen die Gegner ein. „Die Bewerber sagen – und da lügen sie –, dass keine weiteren Eingriffe in die Natur nötig sind“, sagt Doering. „Temporäre Eingriffe gelten für die Bewerber nämlich nicht als Eingriffe.“ Im Grüngürtel in Garmisch-Partenkirchens Süden gebe es 60 bis 65 Pflanzenarten. Diese Vielfalt nach einer Nutzung für Olympia wiederherzustellen, hält er für ausgeschlossen. „Auch die Zäune rund um die Olympia-Anlagen haben schwere Folgen für die Fauna.“


In der Partizipationsfalle. Die Genesis der neuen Kandahar-Pisten haben die NOlympianer noch nicht vergessen. „Ein zweites Mal lassen wir uns nicht verarschen“, sagt Doering. Die Bewerbung für die WM 2011 habe eine Piste vorgesehen. „Jetzt haben wir zwei Strecken, getrennt von einem instabilen Waldstreifen, und mehr Rodungen als geplant.“ Damals, vor der WM 2011, sei man in die Partizipationsfalle getappt, wie es Doering ausdrückt. „Wir mussten uns nachsagen lassen: ,Die Umwelt ist nicht unter die Räder gekommen, weil die Umweltschutzverbände ja mitbeschlossen haben.‘“ Deshalb übernehme man jetzt die Oppositionsrolle.

„Die Widerstände waren anfangs völlig berechtigt“, gibt Mohr zu. Dank der Einwände habe man ein naturverträgliches Konzept entwickelt, das vom Deutschen Alpenverein gelobt wurde.

Und doch gibt es Widerstand: 167Landwirte sagen Nein, 62 sind anwaltlich vertreten und solidarisch mit den fünf bis zehn Bauern, deren Grundstücke tatsächlich betroffen wären. „Manche fürchten, dass die Flächen, die sie zur Verfügung stellen, nicht mehr wiederhergestellt werden können“, sagt Mohr. „Doch dafür gibt es Garantien.“

Das beruhigt die Anrainer ebenso wenig wie die Gerüchte um Enteignungen. Bayerns Naturschutzgesetz sieht diese vor, wenn es um den Zugang zu Naturschönheiten, Pisten und Loipen geht. „Oder man erlässt ein Olympia-Gesetz – aber dann sind wir schon nahe bei 1936“, ätzt Doering.

Statt von Enteignung spricht Mohr von „temporären Dienstbarkeiten“. Er setze aber in erster Linie auf Gespräche. „Man weiß, dass in der Kommunikation Fehler passiert sind.“ Nun müsse man die Menschen an einen Tisch bringen.

So wie im Fall Buchwieser. Die Buchwiesers hätten die WM fast verhindert, weil sie ihren Grund nicht als WM-Piste zur Verfügung stellen wollten. Schließlich einigte man sich auf einen Vertrag mit 23-jähriger Laufzeit. Was da drin steht, will niemand so genau wissen. Auch nichts von einer angeblichen 100.000-Euro-Abschlagszahlung.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.02.2011)