Maria Vassilakou, die unsichtbare Stadträtin

Maria Vassilakou unsichtbare Stadtraetin
Maria Vassilakou unsichtbare Stadtraetin(c) APA/HANS KLAUS TECHT (HANS KLAUS TECHT)
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Öffentlich war die grüne Vizebürgermeisterin bisher wenig präsent - im Gegensatz zum "Schattenstadtrat" Christoph Chorherr. Er zeigte sich auch federführend bei dem Projekt Radstraßen.

Die Grünen haben ihre Regierungsarbeit aufgenommen. Christoph Chorherr lächelt öffentlichkeitswirksam aus allen Zeitungen und präsentiert den neuen Ringradweg – ein Projekt, das seit Jahren auf Eis gelegen ist. Christoph Chorherr zeigte sich auch federführend bei dem Projekt Radstraßen (absoluter Vorrang für Radfahrer in ausgewählten Straßen, in die Autos nur mehr zufahren, nicht jedoch durchfahren dürfen).

Dafür lächelt Planungssprecherin Sabine Gretner auffällig oft mit Planungsprojekten (beispielsweise mit Plänen zur Verbindung der Äußeren und Inneren Mariahilfer Straße) aus der Zeitung. Und Maria Vassilakou, Neo-Stadträtin für Planung und Verkehr? Die grüne Vizebürgermeisterin war in der Öffentlichkeit bisher mehr als unscheinbar unterwegs – sieht man von einem Ballauftritt in New York ab, wo sie von Fotos, eingehängt in den Arm von Alfons Haider, lächelte – was grünintern teilweise auch für Irritationen gesorgt hat: „Diese Bilder waren unnötig.“

Mit ihrer öffentlichen Präsenz ist Vassilakou bisher sehr zurückhaltend, dafür stehen Chorherr und Gretner im Rampenlicht. Ist es so, wie anfangs kolportiert wurde, dass Christoph Chorherr als Schatten-Verkehrsstadtrat agiert, Sabine Gretner eine ähnliche Position im Planungsbereich besitzt? Immerhin waren Verkehr und Planung nicht gerade die Kernkompetenzen von Vassilakou, die als Integrationsexpertin gilt.

Nur „selektive Wahrnehmung“

Für Vassilakou-Sprecher Patrik Volf ist das alles nur eine „selektive Wahrnehmung“. Maria Vassilakou sei sehr wohl öffentlich präsent und aktiv. In der Partei heißt es dagegen: „Wenn man so ein Ressort übernimmt, braucht man eine Zeit lang, bis man richtig in Tritt kommt.“ Nachsatz: „Aber langsam wäre es gut, wenn sie in ihrer Funktion als Planungs- und Verkehrsstadträtin greifbar würde, dass sie endlich klar zeigt, was Grün wirklich bedeutet.“ Und: „Vor allem Christoph Chorherr hat das verstanden. Er gibt Sachen vor, er hat Visionen, und so soll es sein.“


In dieser Angelegenheit unternimmt Vassilakou noch in dieser Woche einen neuen Anlauf: Am Montag steht ein Hintergrundgespräch mit Journalisten auf dem Programm, am Mittwochabend tritt sie bei einer Podiumsdiskussion zum Thema Stadtplanung auf. Was für die Grünen aber deutlich wichtiger ist: Aus der Beamtenschaft sind nach anfänglicher Skepsis überraschend positive Töne über Vassilakou zu hören. Die Vizebürgermeisterin gehe offen auf die Beamten zu, habe alle Abteilungen besucht, sie höre auf die Experten und zeige in Diskussionen durchaus realistische Vorstellungen.

martin.stuhlpfarrer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14. Februar 2011)

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