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Kurzarbeit: Teures Kriseninstrument läuft aus

Kurzarbeit Teures Kriseninstrument laeuft
(c) EPA (Arne Dedert)
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Ende Jänner waren nur noch 2421 Menschen zur Kurzarbeit angemeldet. Befürchtungen, dass das Auslaufen dieser Maßnahme eine Kündigungswelle nach sich ziehen könnte, haben sich nicht bestätigt.

Wien. Vor nicht ganz zwei Jahren befanden sich gut 60.000Menschen in Österreich Kurzarbeit. Sie mussten ihre Arbeitszeit reduzieren und erhielten einen Teil der Lohndifferenz vom Arbeitsmarktservice (AMS) und vom Arbeitgeber refundiert. Experten fürchteten damals, dass es zu einer Kündigungswelle kommen könnte, würde die Regelung auslaufen und hätten die Betriebe noch nicht mehr Aufträge. Die Regierung verlängerte die längstmögliche Kurzarbeitsdauer vorübergehend auf zwei Jahre. Im Vorjahr arbeiteten 23.632 Personen zumindest einmal kurz, 2009 waren es 66.505.

Seit Anfang 2011 ist die Kurzarbeit wieder auf 18 Monate begrenzt. Doch kaum ein Betrieb macht davon Gebrauch. Zuletzt gab es keine Neuanmeldung mehr, berichtet AMS-Chef Johannes Kopf. Ende Jänner waren 2421Menschen in 23Betrieben zur Kurzarbeit angemeldet. Die tatsächliche Zahl dürfte weit geringer sein, weil viele Anmeldungen nur vorsichtshalber erfolgen. Dieser Tage laufen einige Verträge aus. Ende Februar dürfte die Zahl der Beschäftigten, die kurzarbeiten, auf 1000 sinken.

Die Befürchtungen der Experten haben sich nicht bestätigt. Die Konjunktur ist rechtzeitig angesprungen, die Arbeitslosigkeit in der Industrie, in der vor allem kurzgearbeitet worden ist, geht zurück.

Das Instrument, mit dessen Hilfe laut Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) allein im Krisenjahr 2009 rund 8400 Jobs gerettet wurden, war nicht billig. Laut Sozialministerium kostete die Kurzarbeit den Staat 113,5 Mio. Euro im Jahr 2009 und 54,9 Mio. Euro im Jahr 2010 (damals wurden viele Projekte aus dem Jahr 2009 abgerechnet). Für heuer sind noch einmal 16 Mio. Euro für Kurzarbeit aus dem Budget vorgesehen. „Es wird keine zehn Millionen Euro mehr kosten“, sagt Kopf im Gespräch mit der „Presse“.

 

Nie so beliebt wie in Deutschland

Teuer war die Kurzarbeit auch für Unternehmen, die 66 Prozent der Kosten zu tragen haben. Laut Berechnungen der Industriellenvereinigung, waren es 2009 rund 300 Mio. Euro. Neun Prozent entfielen auf die Arbeitnehmer, der Rest auf den Staat. Das dürfte ein Grund sein, warum sich das Modell in Österreich nie so durchgesetzt hat wie im zehnmal so großen Deutschland: Dort arbeiteten auf dem Höhepunkt der Krise fast 30-mal so viele Menschen kurz wie in Österreich. Hierzulande mussten die Unternehmen aber nicht nur mehr zahlen, die Gewerkschaft musste auch jeder Vereinbarung zustimmen und forderte in der Regel 90 Prozent des Nettolohns für die Betroffenen. Außerdem gibt es hierzulande Behaltefristen nach Auslaufen der Kurzarbeit.

Bevor kurzgearbeitet wurde, mussten aber auch alle Zeitguthaben, Überstunden und jeder Resturlaub abgebaut werden. Möglicherweise erscheint die Bilanz – 8400 gerettete Jobs – deshalb nicht so positiv, meint auch Kopf. Das Bündel aus Maßnahmen zur Arbeitszeitreduktion (Kurzarbeit, Bildungskarenz, Abbau von Urlaub und Zeitguthaben, Teilzeit) hätte dazu geführt, dass die Beschäftigung 2009 nur um 47.000 Personen schrumpfte, während die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden so stark zurückging, als ob 135.000 Vollzeitbeschäftigte weniger gearbeitet hätten. In der Arbeitszeitverkürzung sieht Kopf dennoch kein Allheilmittel. „Die Kurzarbeit hat sich vor allem als Kriseninstrument bewährt.“

 

„Kein Mittel gegen Strukturwandel“

Sie hätte auch wirkungslos sein können– nämlich dann, wenn die Krise einen großen Strukturwandel mit sich gebracht hätte. „Wie sich im Nachhinein herausgestellt hat, war das nicht der Fall“, sagt Helmut Hofer, Arbeitsmarktexperte am Institut für Höhere Studien (IHS). Die Industrie, etwa die Autozulieferer, hätte sich fast vollständig erholt. Wäre das nicht passiert, hätte die Kurzarbeit den Strukturwandel nur verlangsamt.

Das sieht auch Wifo-Experte Thomas Leoni so: „Im schlechtesten Fall erhält Kurzarbeit Arbeitsplätze, die eigentlich wegfallen sollten.“ Das sei etwa in Frankreich und Italien der Fall gewesen, wo einige Industriebetriebe das Instrument als Dauermittel einsetzten: Wenn der eine Teil der Belegschaft aus der Kurzarbeit zurückkehrt, arbeitet der andere kurz. „Das läuft auf eine schleichende Subventionierung von Betrieben hinaus.“

In Österreich sorgt indes der Konjunkturaufschwung dafür, dass wieder mehr Jobs entstehen. „Gegen den Strukturwandel hilft Kurzarbeit nicht, sondern nur Qualifizierung“, sagt Hofer. So fallen Hilfsarbeiterjobs dauerhaft weg, während bei Facharbeitern immer spezifischere Qualifikationen gefragt sind.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.02.2011)