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Polizei alarmiert: „Schutzwesten veraltet“

(c) APA/GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)
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Nach Schusswechsel in Hirtenberg und dem Tod eines Polizisten, kritisiert die Polizeigewerkschaft Ausrüstung und Ausbildung der Truppe. Faktum ist aber, dass die beiden Beamten keine Schutzwesten trugen.

Wien/Stög. Der Tod eines Polizisten nach einer Schießerei Freitagnachmittag in Hirtenberg (NÖ) löst nun eine Debatte um die zeitgemäße Ausrüstung der Polizei aus. Wie berichtet, waren zwei Beamte von einem Mann, den sie gesucht hatten, ohne Vorwarnung angeschossen worden. Ein 26-jähriger Polizist starb am nächsten Tag, sein Kollege (39) überlebte schwer verletzt. Der Täter, von mehreren Polizeikugeln getroffen, dürfte sich selbst erschossen haben.

Faktum ist, dass die beiden Beamten keine Schutzwesten trugen. Zwar ist jeder Streifenwagen mit zwei sogenannten Überziehschutzwesten ausgestattet, doch diese hätten einen „technischen Standard wie vor 20 Jahren“, meint Hermann Greylinger von der SP-Polizeigewerkschaft zur „Presse“. „Sie haben eine Einheitsgröße, man kann damit nicht zur Schusswaffe greifen und auch nicht Auto fahren. Sie sind veraltet“, kritisiert Greylinger. Er fordert jetzt nicht nur modernere Schutzwesten, sondern auch ein besseres Einsatztraining. Aus Polizeikreisen ist zu hören, dass sich viele Beamte auf eigene Kosten Unterziehwesten besorgen. Diese leichteren und unter der Uniform getragenen Westen werden standardmäßig nur an Zivilfahnder und Angehörige von Sondereinheiten ausgegeben. Alle anderen Polizisten müssen knapp 1000 Euro dafür zahlen. Mittlerweile wird in Polizeiforen im Internet gefordert, diese Unterziehweste allen Beamten zur Verfügung zu stellen. Im Innenministerium (BMI) kann man sich das allerdings nicht vorstellen.

Gestern, Montag, berieten Experten im BMI über den aktuellen Fall. Dabei wurde auch über Ausbildung und Ausrüstung gesprochen. Beamte des Landespolizeikommandos Burgenland untersuchen derzeit den Waffengebrauch der beiden Polizisten. „Ergebnisse wird es frühestens Mitte der Woche geben“, sagt Michael Takacs aus dem Innenministerium.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.02.2011)