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Angekündigtes Drama

Die Flüchtlingsströme zeigen: Die Nahost-Umwälzungen betreffen Europa direkt.

KOMMENTAR

Das Flüchtlingsdrama auf Lampedusa spielt sich wie die Chronik eines angekündigten Dramas ab: Dass zehntausende junge Menschen aus Tunesien versuchen, die südlichen Küsten der EU zu erreichen, sollte eigentlich niemanden verwundern. Denn zu den klassischen „pull-factors“ Arbeitslosigkeit und Armut kommt jetzt die ungewisse politische Zukunft dazu. Vor allem aber: Durch den Sturz des Regimes Ben Alis sind die strengen Kontrollen weggefallen. Durch teilweise menschenverachtende Methoden wurde der Flüchtlingsstrom eingedämmt.

Kein Wunder also, dass Menschenmassen versuchen, in das Dorado Europa zu gelangen. Und mit der wärmeren Saison werden noch viel mehr kommen. Erstaunlich ist vielmehr, wie unvorbereitet Italiener und Europäer sind – und wie hilflos. Bereits am Tag, als sich die Sicherheitskräfte in Tunesien auflösten, hätten sich die Migrationsexperten der EU Strategien überlegen müssen.

Spätestens jetzt sollte die EU aber erkennen: Die wirtschaftliche Entwicklung – und politische Stabilisierung – des südlichen Mittelmeers liegt vor allem in ihrem eigenen Interesse. Eine koordinierte Nordafrika-Politik sollte weiter gehen als dubiose bilaterale Abkommen, um Flüchtlinge in den Herkunftsländern abzufangen. Denn die Umwälzungen im Nahen Osten betreffen auch Europa direkt. Das beweisen die überfüllten Boote auf dem Mittelmeer.

 

susanna.bastaroli@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.02.2011)