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Italien fürchtet nun Migranten-Welle aus Ägypten

Italien warnt riesiger Migrationswelle
(c) AP (Hassene Dridi)
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Angesichts der Migrationswelle aus Nordafrika verlangt Italien erneut eine Art "Marshall-Plan" für die Region. 44 ägyptische Migranten wurden zurück in ihre Heimat geflogen. Der Ansturm auf Lampedusa geht unterdessen zurück.

Italien warnt vor einer riesigen Migrationswelle aus Ägypten nach Süditalien. "Wir müssen jetzt arbeiten, um eine mögliche riesige Massenwelle von Migranten aus Ägypten vorzubeugen", sagte der italienische Außenminister Franco Frattini in einem TV-Interview.

Frattini bekräftigte Italiens Forderung nach einem europäischen "Marshall-Plan" für Nordafrika. Damit sollte EU nicht nur Notstandssituationen eindämmen, sondern vor allem die Wirtschaft der nordafrikanischen Länder wieder in Schwung bringen, meinte Frattini.

Am Mittwoch sind 44 ägyptische Bootsflüchtlinge von Sizilien aus in ihre Heimat zurückgeflogen. Innenminister Roberto Maroni sagte in Rom, dies sei ein gutes Zeichen, denn Ägypten halte damit auch nach dem Sturz von Staatspräsident Hosni Mubarak die Abkommen mit Italien ein. Die Ägypter waren von der italienischen Küstenwache bei dem Versuch aufgegriffen worden, die Insel Sizilien erreichen.

Ansturm auf Lampedusa nimmt ab

Inzwischen nimmt der Migrantenansturm auf die süditalienische Insel Lampedusa zwischen Sizilien und Tunesien ab. Seit Montag trafen keine Bootsflüchtlinge mehr aus Tunesien auf der 20 Quadratkilometer großen Insel ein, auf der 5000 Menschen leben.

Dies dürfte einerseits den schlechten Wetterbedingungen, aber auch den stärkeren Kontrollen seitens tunesischer Behörden entlang der Küsten zu verdanken sein.

"Lampedusa vor dem Zusammenbruch"

Auf Lampedusa bleibt die Lage jedoch wegen der rund 1800 Migranten gespannt, die sich noch auf der Insel befinden. "Lampedusa steht vor dem Zusammenbruch. Man muss die Migranten so rasch wie möglich aufs Festland bringen", sagte der Bürgermeister Bernardino De Rubeis.

Das Auffanglager der Insel mit seinen 850 Plätzen sei nicht in der Lage, allen Flüchtlingen eine Unterkunft zu sichern. Seit dem 15. Jänner hatten über 5200 Migranten die Insel erreicht, viele wurden bereits von der Insel weggeflogen.

Auch Apulien betroffen

Inzwischen müssen sich auch weitere Regionen Süditaliens mit der Flüchtlingswelle auseinandersetzen. 77 Flüchtlinge, mehrheitlich Afghanen, haben am Mittwoch die Küsten Apuliens unweit der Stadt Lecce erreicht. An Bord des Segelbootes, mit dem sie in Apulien landeten, befanden sich auch 20 Minderjährige, berichteten italienische Medien. In Kalabrien landete ein Motorboot mit 49 Migranten an Bord. Dabei handelt es sich um 37 Afghanen und zwölf Iraner.

Vatikan kritisiert EU

Der vatikanische Migrantenrat hat der EU angesichts der Flüchtlingswelle aus Tunesien mangelnde Vorbereitung vorgeworfen. Die EU-Staaten seien auf eine Situation, die keineswegs unvorhersehbar gewesen sei, nicht eingestellt gewesen, sagte der Untersekretär des päpstlichen Migrantenrates, Gabriele Ferdinando Bentoglio.

Die Politik müsse auf solche Entwicklungen vorbereitet sein. Es handle sich keineswegs um einen völlig überraschenden Notstand, so der Untersekretär.

(APA)