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Energie: Shell warnt vor dem „Weiter-so“

(c) EPA (SHELL/HANDOUT)
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Der Multi, der Milliarden mit Öl verdient, prognostiziert weltweit massive Veränderungen der Energieversorgung – und fordert eine „Mäßigung der Nachfrage“.

Wien/Mar. Umweltschützer sprechen seit Langem von den dramatischen Veränderungen, die in den nächsten Jahren bei der weltweiten Energieversorgung anstehen. Der US-Systemtheoretiker Dennis Meadows etwa ist überzeugt, dass uns in den nächsten Jahrzehnten in dem Bereich größere Umwälzungen erwarten als in all den Jahrhunderten davor. Neu ist allerdings, dass jetzt auch große Energiekonzerne einen gravierenden Wandel nicht mehr ausschließen.

Ein Beispiel dafür ist „Signals and Signposts“, ein am Mittwoch veröffentlichter Bericht von Shell. Das, was der britische Ölmulti darin schreibt, klingt düster – und aus dem Munde eines Energiekonzerns mehr als ungewöhnlich. „In den nächsten vier Jahrzehnten wird sich die weltweite Energieversorgung grundlegend verändern“, heißt es in dem Papier. Im Vergleich zu dem, was kommen werde, seien die vergangenen Jahrzehnte noch ziemlich stabil gewesen. Man glaube nicht, schreiben die Shell-Strategen, dass sich die Kombination aus „Politik, guter Praxis und Glück auch künftig fortsetzen wird“.

Ein wesentlicher Faktor ist der Energiehunger der Schwellenländer, allen voran Chinas und Indiens. Sie treten derzeit „in die energieintensivste Phase ihrer Entwicklung“ ein. Bezieht man auch den steigenden Verbrauch westlicher Industrieländer mit ein, „könnte der weltweite Energiebedarf im Jahr 2050 dreimal so hoch sein wie im Jahr 2000.“

 

„Nachfrage mäßigen“

Das Szenario daraus skizziert Shell wie folgt: Geht alles gut, fangen Wettbewerb und Innovationen bei der Effizienz 20 Prozent des künftigen Bedarfs auf. Steigt die Förderung der Rohstoffe weiter, könne das „normale Wachstum der Energieerzeugung“ weitere 50 Prozent des Bedarfs decken. Allerdings bleiben immer noch 30 Prozent – die Shell ganz offen als „Unsicherheitsfaktor“ bezeichnet.

Ob jedoch die Förderung weiter zunehmen kann, ist unklar. Eine aktuelle Studie der deutschen Bundesregierung konstatiert, dass etwa die Förderung von Erdöl maximal bis 2035 weiter gesteigert werden kann – selbst wenn man zunehmend auf die teure Erschließung von Ölsanden, Schwerstölen oder Erdgaskondensaten setzt. „Das Ausweichen auf solche nicht konventionellen Vorkommen verzögert das bevorstehende Maximum der Erdölproduktion voraussichtlich nicht wesentlich“, heißt es in der Studie der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe. Ein Phänomen, das anderswo schon länger unter dem Schlagwort „Peak Oil“ bekannt ist.

Auch wenn wir alternative Energien massiv ausbauen, so Shell, würden sich bald allein mit dem heutigen Verbrauch „CO2-Emissionen in einem für Menschen gefährlichen Maß erhöhen“. Der Weltkonzern, der vom Verkauf von Energie lebt, spricht wörtlich von einer „Mäßigung der Nachfrage“ und den „Grenzen“, die „dem Wachstum“ mancher Energieträger gesetzt seien. Im Jahr 2011 klingt Shell wie der Club of Rome im Jahr 1972.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.02.2011)