Die ehemalige Moderatorin sieht sich als „ideale unabhängige Kandidatin“ für den ORF. Sie wolle mit ihrer Kandidatur das festgefahrene Prozedere rund um die Bestellung des ORF-Chefs aufbrechen.
„Der künftige Generaldirektor braucht Mut.“ Dieser Satz steht auf Seite zwei der dreiseitigen Begründung von Karin Resetarits-Kraml, in der sie erklärt, wieso sie als Generaldirektorin für den ORF kandidiert. Mut beweist die fünffache Mutter, die im Dezember 50 wird, mit ihrer Kandidatur tatsächlich – wobei manchen Kritikern bei ihrem Vorhaben eher die Worte „Leichtsinn“ und „Naivität“ einfallen würden. Aber Karin Resetarits-Kraml meint es ernst. Sie will den ORF retten, der „vollkommen fertig am Boden“ liege. Sie sieht sich als „gute Mom“, die das „ausgebrannte Häuflein Elend“ wieder aufrichten will, wie sie in ihrer Begründung schreibt, die den interessanten Titel „Mom, everything is ok“ trägt.
Der „Presse“ bestätigt Resetarits-Kraml ihre Pläne, die sie zuerst der Frauenzeitschrift „Woman“ (die am Freitag, erscheint) verraten hat. „Ja, das ist ganz ernst gemeint und wohlüberlegt“, sagt sie, die ehemalige EU-Parlamentarierin und ORF-Moderatorin („ZIB“, „Treffpunkt Kultur“), die 2003 den Sender verließ. Nicht im Guten, übrigens. Schon damals habe sie angekündigt, wenn sie zurückkehre, dann nur als Generaldirektorin, sagt sie in „Woman“.
„Viele werden sagen: Keine Chance“
Sie wolle mit ihrer Kandidatur das festgefahrene Prozedere rund um die Bestellung des ORF-Chefs aufbrechen: „Die meisten Kandidaten warten bis kurz davor, ob sie genug Stimmen im Stiftungsrat bekommen. Dabei sollte man im Vorfeld eine Diskussion in Schwung bringen, welche Aufgaben der ORF in den Zehnerjahren des 21.Jahrhunderts hat.“ Eines hat sie mit ihrer Ankündigung sicher getan: Das Personalkarussell rund um den ORF-Chefsessel in Gang gesetzt. „Die meisten werden sagen: ,Die hat ja eh keine Chance‘“, sagt sie. „So sehe ich das nicht. Ich bin eine Kämpferin.“
Sie habe bereits den „Gang gemacht, den man manchen muss“. Also den zu allen Parteien. Da die SPÖ erneut den jetzigen General Alexander Wrabetz unterstützen will, sieht sich Resetarits-Kraml als „ideale unabhängige Kandidatin, zum Beispiel für die ÖVP“. Von dort kam am Donnerstag keine Stellungnahme, VP-Klubchef Karlheinz Kopf weilt noch auf Urlaub. Die selbstbewusste Resetarits-Kraml hofft auf die Stiftungsräte: „Es wäre toll, wenn die endlich eigenständig entscheiden.“
„Mom, everything is ok“: die Begründung der Bewerbung im Wortlaut unter diepresse.com/ORF
("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.02.2011)