Schnellauswahl

WM-Riesentorlauf: Aus „Silber-Tina“ wird „Gold-Maze“

bdquoSilberTinaldquo wird bdquoGoldMazeldquo
(c) EPA (PETER KNEFFEL)
  • Drucken

Die Slowenin gewann den WM-Riesentorlauf vor Federica Brignone. Tessa Worley fuhr von Rang 19 noch zu Bronze. Österreichs Damen blieben erstmals bei dieser WM ohne Medaille.

Garmisch-Partenkirchen. Wieder einmal war Tina Maze in eine hauchdünne Entscheidung verwickelt. Beim WM-Riesentorlauf vor zwei Jahren hatten ihr sechs, beim Olympia-Riesentorlauf im Vorjahr vier Hundertstel auf Gold gefehlt. In der WM-Superkombination in der vergangenen Woche waren es neun Hundertstel. Slowenische Journalisten hatten ihr deswegen schon den Spitznamen „Silber-Tina“ gegeben. Doch im Riesentorlauf verwandelte sich die 28-Jährige zur „Gold-Maze“ und gewann das erste WM-Gold für den slowenischen Verband. Neun Hundertstelsekunden betrug ihr Vorsprung auf die 20-jährige Italienerin Federica Brignone. Die beiden sind bereits nach dem ersten Lauf in Führung gelegen.

Der Sieg versöhnt Tina Maze auch mit den Zeitnehmern bei der WM in Garmisch-Partenkirchen. Bei ihrem Super-G-Lauf hat sie die Zeit, die sie als Elfte auswies, noch angezweifelt. Das ist aber nun kein Thema mehr. Auch nicht die Oberschenkelverletzung, die sie vor der WM in Slowenien noch therapieren ließ.

Vergessen sind auch die Sorgen, die ihr die Trennung von ihrem Servicemann rund um Silvester bereitet hat. Seit dem zweiten Platz am 2. Jänner im Parallelbewerb in München fand sie nie mehr die richtige Materialabstimmung. Bei der WM aber wendete sich das Blatt. Dort, wo sie ihren neunten und bislang letzten Weltcupsieg feiern konnte: vor knapp einem Jahr beim Weltcupfinale. Der WM-Titel ist nun eine Bestätigung für sie. Maze fährt zwar für den slowenischen Verband, betreibt mit Privattrainer Andrea Massi jedoch ein Team im Team. „Es ist super, hier als Siegerin ins Ziel zu kommen. Im zweiten Lauf fehlte mir das richtige Gefühl, ich habe nur Gas gegeben. Es hat gereicht, aber es war knapp.“

 

Worley um 16 Plätze verbessert

Hartnäckiger Nebel hatte den Start um zwei Stunden verzögert. Ein Umstand, mit dem nicht alle Läuferinnen umgehen konnten und schon im ersten Durchgang alle Chancen auf den Sieg verspielten. Die 21-jährige Französin Tessa Worley etwa, die in diesem Winter bereits drei Riesentorläufe gewinnen konnte, lag 2,12 Sekunden zurück. Laufbestzeit im zweiten Durchgang allerdings katapultierte sie noch von Rang 19 auf den dritten Platz.

Konstanter unterwegs – und deshalb Zweite – wurde Federica Brignone. Vor zwei Jahren Juniorenweltmeisterin in der Superkombination, hatte sie zuletzt in Zwiesel aufhorchen lassen. Beim letzten Weltcup-Riesentorlauf vor der WM war sie Zweite gewesen – hinter Viktoria Rebensburg.

Die Olympiasiegerin aber erlebte wie ihre Teamkolleginnen auf der weich gewordenen Piste eine schwere Enttäuschung und wurde Fünfte. Kathrin Hölzl, der Weltmeisterin von 2009, bereitete ein Virus samt Rückenproblem derartige Schmerzen, dass sie kaum auf einem Bein stehen konnte. Maria Riesch, die nach dem ersten Lauf noch an der aussichtsreichen vierten Position gelegen war, schied im zweiten Durchgang aus – zum ersten Mal in dieser Saison.

Gut erging es auch den Österreicherinnen nicht. Doppelweltmeisterin Elisabeth Görgl war als Halbzeitdritte noch auf Medaillenkurs, verlor aber zwischen den letzten Toren zu viel Zeit und wurde Zehnte: „Für mich war es trotzdem eine Traum-WM. Im zweiten Lauf habe ich mir schwergetan, vielleicht war ich zu wenig locker.“ Kathrin Zettel wurde Zehnte, Andrea Fischbacher 25. Am besten schlug sich Marlies Schild als Achte. Ihr war es gelungen, die Sorgen um Benjamin Raich zur Seite zu schieben – damit blieben die ÖSV-Damen erstmals bei dieser WM ohne Medaillen. „Ich hatte leider ein paar Unsicherheiten“, sagte Schild, „aber ich war im zweiten Durchgang Zweite hinter Worley. Es war für mich sehr gut, dass ich gestartet bin, gerade nach dem Tag gestern. Jetzt freue mich auf den Slalom.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.02.2011)

Mehr erfahren