Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Schnellauswahl

Kerimov: Der geheimnisvolle Investor aus dem Kaukasus

Kerimov geheimnisvolle Investor Kaukasus
rubel(c) Www.BilderBox.com (Www.BilderBox.com)
  • Drucken

Die größten Anteile an der Privatisierung der russischen VTB-Bank hat sich Suleiman Kerimov gesichert. Der Investor und Milliardär aus dem Kaukasus gilt als öffentlichkeitsscheu und ist doch eine schillernde Figur.

Moskau. Wenn Suleiman Kerimov etwas nicht mag, dann ist es die Öffentlichkeit. Ein Interview gilt als ausgeschlossen. Und selbst Kerimovs Pressedienst sagt von sich, dass man nicht sehr oft mit den Medien rede. Wohl auch deshalb wollte man die nun aufgetauchte Information, dass der russische Multimilliardär bei der Teilprivatisierung der Staatsbank VTB diese Woche den größten Teil des veräußerten Paketes gekauft hat, nicht kommentieren.

Die Wirtschaftszeitung „Wedomosti“ berichtete unter Berufung auf Personen aus der Umgebung Kerimovs, dass dieser sich über zwei Fonds – darunter die in der Schweiz registrierte Millennium Group – mit 500 Mio. Dollar bei VTB eingekauft habe und zweitgrößter Aktionär nach dem Staat sei. Der 44-jährige Kerimov, laut Magazin „Finans“ mit 16,9 Mrd. Dollar Vermögen siebtreichster Russe, hält über 1,5 Prozent der Aktien. VTB, bei der sich der Staat von zehn Prozent der Anteile getrennt und dafür 2,4 Mrd. Euro eingenommen hat, ist Branchenzweiter. In den vergangenen Jahren expandierte die Bank stark und steht nun vor dem Kauf des fünftgrößten Geldinstituts „Bank of Moscow“. Gemeinsam mit dem Branchenprimus Sberbank wurde VTB während der Krise vom Staat mit Kapital ausgestattet und gibt nun mehr denn je den Ton auf dem Sektor an. Warnen Experten vor einem allmählich riskanten Übermut der beiden Staatsbanken, so wird der VTB von Analysten auch ein Verdoppelungspotenzial in den kommenden drei Jahren attestiert.

Tatsächlich hat der Ansturm auf die Teilprivatisierung letzte Woche auch gezeigt, dass die russischen Bankentitel nicht überbewertet sind. Im Unterschied zu ihnen haben kurz davor gleich drei russische Rohstoffkonzerne ihren Börsengang absagen müssen, nachdem sich die Anleger an der überhöhten Bewertung gestoßen hatten. Die VTB-Papiere zogen zuletzt deutlich an. Davor haben die VTB-Papiere seit dem Börsengang 2007 an Performance zu wünschen übrig gelassen und notieren heute noch mit gut 25 Prozent unter dem damaligen Ausgabepreis.

Kerimov will „Wedomosti“ zufolge auch bei der für das zweite Halbjahr geplanten Privatisierung von 7,58 Prozent der Aktien der Sberbank teilnehmen und hat sogar ein Auge auf das gesamte Paket für etwa 5,5 Mrd. Dollar geworfen.

 

Staatskonzerne im Visier

Es ist nicht das erste Mal, dass der studierte Ökonom aus der nordkaukasischen Unruheprovinz Dagestan, wo er einst sein erstes Geld mit dem Verkauf von Transistoren verdient hat, in Staatskonzerne investiert. Damit begonnen hat Kerimov vor etwa fünf Jahren, als er seine Gesellschaft „Nafta Moskva“, vormals einer der bedeutendsten Ölhändler, zur reinen Investitionsgesellschaft umstrukturierte. In der Folge kaufte er – vielfach auf Pump – größere Anteile an der Sberbank, an Gazprom und auch am Silberproduzenten Polymetal, stieß diese Pakete aber kurz vor der Krise ab. Über den Erfolg seiner anschließenden Investitionen in westlichen Banken wie Fortis oder Morgan Stanley gehen die Meinungen freilich auseinander.

Nach dem ausländischen Intermezzo brachte er 2009 das Geld zurück nach Russland, übernahm 38 Prozent am führenden Goldschürfer Polyus Gold, stieg groß ins Immobiliengeschäft ein und hält die Mehrheit am Düngemittelproduzenten Uralkali, der nach einer bevorstehenden Fusion mit einem Konkurrenten 24 Mrd. Dollar auf dem Markt wert sein wird.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.02.2011)