Schnellauswahl

Halbtagsjob Wisenschaft: Zwei Forscher zum Preis von einem

Halbtagsjob Wisenschaft Zwei Forscher
(c) AP (SVEN KAESTNER)
  • Drucken

Immer mehr junge Wissenschaftler werden in Österreich nur Teilzeit angestellt, besagt eine Studie der Joanneum Research. Davon profitierten auch die Unis, sagt Studienautor Helmut Gassler.

Wien. Wissenschaft wird an österreichischen Universitäten zunehmend zum Halbtagsjob. Das zeigen Daten, die Experten der Joanneum Research für ihre Studie „Nutzen und Effekte der Grundlagenforschung“ erhoben haben: In den vergangenen fünf Jahren ging der Trend kontinuierlich in Richtung Teilzeitarbeit. Seit dem Jahr 2005 ist die Zahl der Mitarbeiter stärker gewachsen als die Zahl der Vollzeitstellen (siehe Grafik). So waren an den Unis 2009 knapp 50.000 Personen beschäftigt – sie entsprechen etwa 34.000 Stellen.

Das Phänomen „Halbtagsjob“ variiert dabei je nach der Stellung in der Uni-Hierarchie. Während bei den Professoren fast jede Stelle nur von einer Person besetzt ist, ist das Missverhältnis beim wissenschaftlichen Personal (Dozenten, Assistenten) bereits stark ausgeprägt. Statistisch teilen sich dort 1,7 Personen eine Stelle. Zieht man nur den unteren Mittelbau – also die nicht habilitierten Assistenten – heran, der nicht über Drittmittel finanziert wird, ist das Verhältnis noch krasser: Auf eine Vollzeitstelle kommen 2,2 Beschäftigte.

 

Universitäten profitieren

(c) Die Presse / HR

Gedacht sei das so, erklärt Studienautor Helmut Gassler: „Der Uni-Assistent ist zu einer Hälfte in den Lehr- und Forschungsbetrieb eingebunden. Seine Dissertation schreibt er in der Freizeit.“ Die Realität sieht aber anders aus: Viele Wissenschaftler würden zwar für einen Halbtagsjob bezahlt – aber Vollzeit für die Uni arbeiten (siehe auch Interview links). Die Universitäten würden davon profitieren, einen Vollzeitposten auf zwei Mitarbeiter aufzuteilen, sagt Gassler: „Die Uni hat, wenn es sich um zwei besonders motivierte Mitarbeiter handelt, zwei Köpfe zum Preis von einem Arbeitsplatz.“

Dabei unterstellt Gassler den Universitäten nicht, junge Mitarbeiter bewusst auszubeuten. Das Grundübel liege in der prekären Finanzierungssituation der österreichischen Uni-Landschaft. Das erkläre auch den relativ starken Anstieg der Drittmittelbeschäftigten. Diese sind zumeist Vollzeit angestellt – allerdings im Rahmen von befristeten Projekten. Nach zwei oder zweieinhalb Jahren stünden diese wieder vor einem Finanzierungsproblem, so Gassler. „Dieser Trend wird sich sicher fortsetzen“, sagt er.

 

Zahl der Professoren konstant

Auffällig ist weiters, dass die Zahl der Professoren in den vergangenen fünf Jahren beinahe konstant geblieben ist, während die Zahl der Stellen insgesamt um rund 17 Prozent gestiegen ist. „Das zeigt, dass das universitäre System in Österreich nicht an Breite gewonnen hat, was neue Themenschwerpunkte oder Projekte betrifft“, kritisiert Gassler. Schließlich seien es die Professoren, die das Themenœvre definieren.

Insgesamt stelle sich die Frage, ob das Schlagwort des „akademischen Prekariats“, das oft für Uni-Absolventen herangezogen werde, nicht zunehmend auch für den akademischen Arbeitsmarkt selbst zutreffe. Gassler sieht eine Gefahr für die Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Universitäten. Mit einer schlechten Arbeitszeit- und Lohnsituation sei es schwierig, hoch qualifizierte Nachwuchswissenschaftler anzuziehen. „Auch wenn die intrinsische Motivation, Wissenschaft zu betreiben, nicht zu verachten ist, sollte man das nicht ausreizen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.02.2011)