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Meyer macht's anders: Die Kunst, sie lebe hoch

(c) APA/ROBERT JAEGER (ROBERT JAEGER)
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Der Staatsoperndirektor Dominique Meyer will in diesem Jahr die Kunst forcieren. Der Opernball soll ein Ball der Künstler werden. Erstmals spielen die Philharmoniker, die Opernbienen liefern die Damenspende.

Es könnte der Beginn einer Tradition sein, bei der man sich irgendwann wundert, dass es nicht immer schon so war: Die Wiener Philharmoniker, Hauptakteure des Neujahrskonzerts, wirken heuer erstmals in ihrer Geschichte auch beim zweiten nationalen Kulturereignis mit, dem Opernball. Sie werden, sagt Staatsoperndirektor Dominique Meyer, die Veranstaltung eröffnen. Was nicht heißt, dass das Wiener Opernball Orchester arbeitslos ist: Das 1982 gegründete Orchester, das sich der Pflege der Wiener Ballmusik verschrieben hat (und das damit mehrmals um die Welt tourte), wirkt weiter mit.

Was schon andeutet, was der neue Chef der Staatsoper, der gestern, Dienstag, erstmals neben Organisatorin Desirée Treichl-Stürgkh am Podium der Opernball-Pressekonferenz Platz nahm, vorhat. Er will mehr „in Richtung Kunst“ gehen, die Staatsoper an die erste Stelle rücken. Der Opernball soll ein Ball der Künstler werden, bei dem man Künstler trifft – und zwar nicht nur jene der Oper.

Schon zur Oper gehört jene Dame, die für den stimmlichen Höhepunkt sorgen soll. Die lettische Mezzosopranistin Elīna Garanča, demnächst in „Anna Bolena“ zu hören, singt eine Arie aus „Samson et Dalila“, dazu eine Hommage an die Stadt: „Wien, Wien, nur du allein.“ Stark einbinden will man auch das Ballett, darunter 14 Paare junger Tänzer, 18 erwachsene Paare, vier Solisten – und den neuen Ballettdirektor, Manuel Legris, selbst. Ebenfalls eine Premiere, die in Summe für Meyer die „Crème de la Crème ergibt, wie man hier sagt. In Frankreich versteht man die Redewendung ja nicht.“

Aus dem Westen kommt auch Juanita Hieble, die für die Eröffnung verantwortlich ist. Mit der Vorarlbergerin wurde erstmals eine Frau mit der Choreografie beauftragt (sieht man davon ab, dass sich 2009 Edgar Kummer die Aufgabe mit seiner Schwester Daniela teilte). Unter den Debütanten auch ein Paar aus dem Special-Olympics-Team und Gloria Burda, die Tochter von Udo Jürgens. Die hat ein wenig „Angst, dass man stolpert“, ansonst freut sie sich. „Ich gehe ja auch zum Elmayer in den Goldkurs.“ Beobachtet wird ihr Debüt nur von ihrer Mutter. „Ich weiß nicht, wo mein Vater sein wird, auf jeden Fall nicht am Opernball.“

Hoffentlich rechtzeitig kommt eine der Damenspenden: Eine ganze Ladung seidener Fächer ging nämlich erst einmal nach Australia. Grund zur Sorge gibt es keinen, es gibt noch andere Präsente, darunter ein Perlenarmband von Sillam – und ein Gläschen Honig, produziert von jenen Bienen, die am Dach der Staatsoper logieren. Schwerer zu tragen haben die Herren, für sie wurde mit Lois Lammerhuber ein Text-/Bildband kreiert, der die Musiker der Philharmoniker an ihren Lieblingsplätzen in der Oper zeigt.


Womit man wieder bei der Kunst wäre, auch wenn Meyer, anders als sein Vorgänger, auch zum Society-Aspekt des Balls ein entspanntes Verhältnis pflegt. Dass auf baumeisterliche Einladung Berlusconis Gespielin Ruby kommen soll, hat dafür Desirée Treichl-Stürgkh eine schlaflose Nacht beschert. Sie ließ sogar prüfen, die Loge abzuerkennen – vergeblich. Dabei habe sie „nichts gegen das Mädchen“, versichert Treichl-Stürgkh. „Sie ist ein Opfer, das das Beste aus seinem tragischen Schicksal gemacht hat“. Aber die Einladung sei die „größte Peinlichkeit“, die der Opernball je erlebt habe.

Auf einen Blick

Der Wiener Opernball findet am 3.März zum 55.Mal statt. Es ist der erste Opernball für den neuen Direktor, Dominique Meyer. Unter Generalmusikdirektor Franz Welser-Möst werden erstmals die Philharmoniker bei der Eröffnung mitwirken. Elīna Garanča singt zwei Lieder, Ballett-Direktor Manuel Legris wird erstmals tanzen. Die Choreografie der Polonaise stammt von der Vorarlbergerin Juanita Hieble. Der ORF wird übertragen, Oper und Sender einigten sich erst kürzlich auf einen neuen Vertrag.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.02.2011)