Runder Tisch zu autofreier Mariahilfer Straße

Einkaufen. Wiens Wirtschaftskammer-Präsidentin Jank lässt Modelle zur Umgestaltung der Straße und zu einer autofreien Zone prüfen. Die Wiener Grünen wollen auch andere Einkaufsstraßen mit mehr Sitzgelegenheiten beleben.

Wien. Die Zeichen verdichten sich, dass die Mariahilfer Straße bis zum Jahr 2013 zur Fußgängerzone umfunktioniert werden könnte. Die Grünen haben sich schon länger dafür ausgesprochen, auch Renate Kaufmann (SPÖ), Bezirksvorsteherin von Mariahilf, kann der Idee etwas abgewinnen. Jetzt zeigt sich auch Brigitte Jank, Präsidentin der Wiener Wirtschaftskammer, nicht abgeneigt.

Es sei zwar ein „hochsensibles Thema“, sagt sie am Donnerstag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Wiens Verkehrs- und Planungsstadträtin Maria Vassilakou (Grüne), derzeit werden aber alle Varianten für eine Verkehrsberuhigung der beliebten Einkaufsstraße geprüft. Dazu zählt nicht nur eine Fußgängerzone, sondern auch eine Zone für Fußgänger und Radfahrer oder das Shared-Space-Modell, bei dem sich alle Verkehrsteilnehmer die Straße ohne Regulierung in Form von Ampeln oder Bodenmarkierungen teilen. Jank habe dazu eigens einen runden Tisch einberufen. Im Herbst soll die Überprüfungsphase zu Ende sein, dann wolle man „zur Sache gehen“, so Vassilakou. „Derzeit gibt es eine Überlastungssituation. Das bedeutet, dass mehr Platz benötigt wird.“

Nebenstraßen beruhigen

Selbst Thomas Blimlinger, grüner Bezirksvorsteher von Wien Neubau, der dem Projekt Fußgängerzone stets kritisch gegenüberstand, kann sich mit der Idee anfreunden – zumindest unter bestimmten Voraussetzungen. „Zuerst muss man den Verkehr in den Nebenstraßen reduzieren, dann ist das vorstellbar“, so Blimlinger. Derzeit wird mit einem Projekt in der Webgasse und der Schottenfeldgasse darauf hingearbeitet. Der Durchzugsverkehr soll dort, etwa mittels Einbahnänderungen, „gekippt werden“. Blimlinger weist aber darauf hin, dass ohnehin schon wenige Autos auf der Mariahilfer Straße unterwegs sind. „Von sieben bis 20Uhr fahren derzeit rund 7500 Autos auf der Mariahilfer Straße. Fußgänger gibt es aber 30.000 bis 60.000.“

Eine sehr konservative Schätzung. Die Wiener Wirtschaftskammer zählt an einem durchschnittlichen Donnerstag oder Samstag – das sind die stärksten Einkaufstage – 113.923 Passanten. Und: Zuletzt konnte die Mariahilfer Straße sogar noch zulegen. Im Vergleich zur Passantenzählung im Jahr 2008 sind es nun um 14.900 Menschen mehr. Stärker frequentiert sind nur noch der Graben (125.096) und die Kärntner Straße (124.565).

Mehr Schanigärten

Generell werden Einkaufsstraßen derzeit stärker frequentiert als noch vor zwei Jahren. In absoluten Zahlen konnten vor allem die großen Einkaufsstraßen eine Steigerung der Passanten erzielen. Relativ gesehen haben aber vor allem die Kleinen – etwa Praterstraße, Taborstraße oder Meidlinger Hauptstraße – zugelegt. „Es profitieren jene, die angenehm zum Verweilen und Flanieren geworden sind“, sagt Vassilakou. Und jene, die eine gute öffentliche Anbindung haben. Eine neue Studie belegt, dass 80 Prozent der Einkäufe mit öffentlichen Verkehrsmitteln erledigt werden. Und das auch von Menschen, die eigentlich ein Auto haben, so die Stadträtin.

Sie will daher weitere Maßnahmen zur Belebung der Einkaufsstraßen fördern. So soll es etwa mehr Sitzgelegenheiten geben – nicht kommerzielle wie kommerzielle, sprich Schanigärten. Vassilakou will dafür Parkplätze vor Lokalen zu kleinen Schanigärten umwandeln, sofern das der Wirt und der Bezirk möchten. „Wenn so ein Anliegen kommt, werde ich das wohlwollend behandeln.“ Interessenten dafür gäbe es bereits, vor allem in den westlichen Bezirken außerhalb des Gürtels. Auch einen Entwurf für Klappsessel, die an Pollern montiert werden können, gibt es bereits.

Zusätzlich will Vassilakou auch die „toten Augen der Stadt“, also Tore zu kleinen Garagen, bekämpfen, damit an ihrer Stelle Geschäfte, Ateliers oder Arztpraxen einziehen können.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.02.2011)

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