Die Zinsen steigen, aber Anleihen sollte man daher nicht kaufen. Außer man setzt auf solche, deren Zinsen variabel sind. Diese werden Floater genannt und von vielen Experten empfohlen.
Wien. Die Zeit der extrem niedrigen Zinsen geht schön langsam, aber doch zu Ende. Deutlich zu sehen ist das auf dem Geldmarkt, auf dem sich die Banken untereinander Geld leihen. In diesem Umfeld ist es nicht ratsam, in Anleihen mit langer Laufzeit und fixer Verzinsung zu investieren. Noch dazu, weil etwa österreichische Staatsanleihen derzeit noch immer sehr wenig Zinsen von etwas mehr als drei Prozent abwerfen.
Die wirkliche Krux dabei: Der Anleger bekommt bis zur Fälligkeit immer den gleichen Zins. Das macht diese Anleihen unattraktiver, wodurch mit Kursverlusten zu rechnen ist. Verkauft man also das Papier vorzeitig, bekommt man weniger Geld zurück, als man dafür vorher bezahlt hat.
Anleihe mit variablem Zins
Steigende Marktzinsen müssen aber nicht unbedingt bedeuten, dass man dem Anleihenmarkt völlig fernbleiben soll. Schließlich soll das Depot ausgewogen gestreut sein, dabei sollten auch Anleihen eine bedeutende Rolle spielen. Aber derzeit nicht festverzinsliche Anleihen mit langen Laufzeiten, sondern eher variabel verzinste Anleihen, sogenannte „Floater“. Anders als herkömmliche Bonds zahlen sie nicht jährlich den gleichen Zins aus. Ihr Zins wird regelmäßig – etwa alle drei oder sechs Monate – an den Marktzins adaptiert.
Als Marktzins wird für gewöhnlich der Drei-Monats-Euribor herangezogen. Das ist jener Zinssatz, zu dem die Banken einander Geld für drei Monate leihen. Auf diesen Zinssatz schlagen Floater auch noch einen Aufschlag drauf.
Ein Floater wird von einer Bank herausgegeben und ist quasi eine Bankanleihe. Geht das Institut pleite, kann das Geld des Anlegers futsch sein. Je schlechter die Bonität einer Bank ist, desto höher ist der Zinsaufschlag. In der Praxis reicht dieser Aufschlag von 0,03 bis 1,2 Prozent.
Raiffeisen bietet hohen Aufschlag
Derzeit liegt der Drei-Monats-Euribor bei knapp 1,1 Prozent. Seit März stieg er um zwei Drittel an – Tendenz: weiter steigend. Die hohen Ölpreise feuern die Inflationsraten an, wodurch die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen schon früher als angenommen erhöhen könnte. „Die EZB wird den Leitzins laut vieler Experten wohl früher als später anheben, das begünstigt die Floater“, sagt Robert Senz, Anleihenchef bei der Fondsgesellschaft Raiffeisen Capital Management (RCM). Im Vorfeld von EZB-Zinserhöhungen ziehen nämlich auch die Geldmarktzinsen an. Laut den Analysten wird demnach auch der Drei-Monats-Euribor Anfang 2012 zwischen 1,6 und zwei Prozent liegen.
Die Raiffeisenbank International (RBI) zahlt für einen klassischen Floater einen Zinsaufschlag von 0,9 Prozent(siehe Tabelle unten, Anm.). Steht der Euribor im ersten Quartal 2012 tatsächlich bei zwei Prozent, macht der Zins für den Floater bereits 2,9 Prozent aus. Zum Vergleich: Die Erste Bank hat eine bessere Bonität, daher zahlt sie einen geringeren Aufschlag auf den Euribor.
Anleihen mit Mindestzinssatz
Der Vorteil bei diesen klassischen Floater-Anleihen für die privaten Anleger ist, dass deren Kurse relativ stabil sind und nur geringfügig schwanken.
Das ist bei den „Floored Floatern“ nicht der Fall. Diese Floater haben einen Mindestzins von aktuell zwei bis 2,5 Prozent. Das ist deswegen noch ansehnlich, weil der Euribor deutlich darunter liegt. Aber: Die Floored Floater zahlen keinen Aufschlag auf den Euribor. Diese Anleihe wird dann unattraktiver, wenn der Euribor über die Mindestverzinsung steigt. In diesem Fall verlieren sie an Wert.
Bewegt sich der Euribor aber länger als angenommen unter der Mindestverzinsung des Floor Floaters, ist diese Anlage lukrativer als der klassische Floater.
Schutz vor Inflation
Ein anderes Thema ist nicht nur der Schutz vor steigenden Zinsen, sondern auch vor steigender Inflation. Dabei bieten sich inflationsgeschützte Anleihen an, deren Zins dann steigt, wenn die Inflationsraten anziehen.
Aber: Wenn die Europäische Zentralbank die Leitzinsen deutlich anhebt, steigen die Realrenditen an. In diesem Fall kommen nicht nur die Kurse von bestehenden Nominal-, sondern auch von inflationsgeschützten Anleihen unter Druck, warnen etwa die Experten der Raiffeisen Zentralbank (RZB). Mit einem Floater würde man dabei besser abschneiden.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.02.2011)