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Klirrend kalt und wenig Schnee: Das war der Winter

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Der Winter endet so, wie er begann: zu kalt. Es gab zwar deutlich mehr Eistage als sonst, allerdings auch zu viele warme Tage mit mehr als 20 Grad. Das Jahrzehnt war das wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen.

Wien. Klirrend kalt, frühlingshaft warm, dann wieder klirrend kalt: Im Winter 2010/2011 – der für die Meteorologen in wenigen Tagen am 1.März endet – wechselten sich Kälte und warmes Wetter regelmäßig im Zwei- bis Dreiwochentakt ab. Vom Gefühl her mag es daher ein Winter der Extreme (mal viel zu kalt, dann viel zu warm) gewesen sein; im Schnitt ergab das aber laut den Aufzeichnungen des Wetterdienstes Ubimet relativ normale Wintertemperaturen.

In den Landeshauptstädten etwa war es im Schnitt nur um ein halbes Grad kälter als im langjährigen Vergleich. Es gab aber in allen Städten deutlich mehr Eistage als sonst (an denen die Temperatur auch tagsüber unter dem Gefrierpunkt bleibt): In Wien wurden 28 solcher Tage gezählt – in einem durchschnittlichen Winter werden hier 19 Eistage registriert, in Eisenstadt waren es 30 (statt 20).

Die kalten Tagen wurden aber durch die milden Wochen – der Wärmerekord liegt bei 20,6 Grad in Reichenau an der Rax und Pottschach-Ternitz (NÖ) am 7. Februar – wettgemacht. Jedenfalls war der Winterbeginn im Osten Österreichs (der generell mehr vom Winter zu spüren bekam als der Westen) der kälteste seit 1996. In Linz gab es zuletzt 1969 einen Winterauftakt, der noch kälter war.

In Erinnerung geblieben ist – gerade in den Städten – der viele Schnee, der fast den ganzen Dezember liegen blieb und in den Landeshauptstädten (siehe Grafik) deutlich über dem langjährigen Durchschnitt lag. In Wien sorgten 28 Zentimeter Schnee für Chaos (der Rekord aus 1941 liegt bei 50cm). Gleichfalls in Graz lag mit 33Zentimetern deutlich mehr Schnee als im langjährigen Vergleich (16cm). Auch wenn der Schnee die Städte zeitweise in Ausnahmezustand versetzt hat: „Insgesamt war es sogar ein schneearmer Winter“, sagt Meteorologin Fabienne Muriset (Ubimet). Denn ein großer Teil sei im November (also meteorologisch gesehen noch im Herbst) und Anfang Dezember gefallen. „Danach war's aus.“ Was die Niederschlagsmenge (Schnee und Regen) betrifft, war es ein trockener Winter.

Wärmstes Jahrzehnt

Ungewöhnlich, sagt Muriset, sei auch der Februar verlaufen. Normalerweise beginnt er kalt und wird gegen Ende frühlingshaft, heuer war es umgekehrt: Anfang Februar war es mit mehr als 20 Grad im südlichen Niederösterreich viel zu warm – und zwar auch in den Bergen: In Fischbach (Stmk.) wurden auf 1050Meter Seehöhe 19,1 Grad gemessen – ein neuer Rekord. Ausgelöst wurde das warme Wetter durch eine Kombination aus milder Atlantikluft und einem Hoch über Österreich.

Generell war das abgelaufene Jahrzehnt das wärmste und sonnigste seit Beginn der Aufzeichnungen. Laut Statistik der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik lag es um 1,2 Grad über dem Mittel (1901–2000).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.02.2011)