Mit einer Milliarde Euro hat die Erste Bank 2010 das zweitbeste Ergebnis in ihrer Geschichte erzielt. Weil die Krise früher als erwartet zu Ende ging, soll die Staatshilfe noch im Sommer zurückbezahlt werden.
Wien/Höll. Die Erste Bank ist wieder Vorreiter: Sie hat sich vor zwei Jahren als erstes österreichisches Kreditinstitut Staatshilfe in der Höhe von 1,2Mrd. Euro geholt. Weil die Finanzkrise nun vorbei ist, will sie das Geld auch vorzeitig zurückgeben. Seit der Vorwoche ist das Institut mit dem Finanzministerium über die Modalitäten für den Staatsausstieg einig.
Zwar betonte Erste-Bank-Chef Andreas Treichl am Freitag bei der Bilanzpressekonferenz, dass im Aufsichtsrat noch kein Beschluss gefasst wurde: „Aber wir sind in der Lage, das Kapital zurückzuzahlen, wann es für uns passt.“ Experten gehen davon aus, dass dieser Schritt noch im ersten Halbjahr erfolgen wird. Dadurch erspart sich das Institut die Hälfte der mit dem Bund für 2011 vereinbarten Zinszahlung von 96Mio. Euro.
Die Erste Bank geht hier einen anderen Weg als Raiffeisen. Deren Generalanwalt Christian Konrad betonte unlängst, er denke nicht daran, die Schulden beim Staat vorzeitig zu tilgen. Stattdessen kaufte Raiffeisen für eine halbe Milliarde Euro in Polen zu.
Treichl will hingegen erst wieder auf Einkaufstour gehen, wenn der Bund draußen ist. Zur Rückzahlung der 1,2Mrd. Euro ist seinen Angaben zufolge keine Kapitalerhöhung notwendig. Neben der Erste Bank wollen sich auch die Volksbanken heuer von den Fesseln des Staates lösen. Im Zuge der Finanzkrise hatten alle österreichischen Großbanken (mit Ausnahme der Bank Austria) Hilfe benötigt. Die Verträge mit dem Finanzministerium sind so gestaltet, dass die Kreditinstitute das Geld fünf Jahre behalten können, danach kommt es zu einer deutlichen Anhebung der Zinszahlungen. Derzeit müssen sie acht Prozent pro Jahr abliefern.
Anfang des Jahres führte die Regierung zum Ärger der Generaldirektoren noch eine Bankenabgabe ein. Diese belastet die Erste Bank mit 100 Mio. Euro zusätzlich.
Keine Änderungen soll es dagegen für jene Privatanleger geben, die gleichzeitig mit dem Staat Partizipationskapital gezeichnet haben. Diese Tranche im Volumen von 500 Mio. Euro soll nicht vorzeitig gekündigt werden. Zwar wäre die Erste Bank auch hier zu einer schnellen Rückzahlung in der Lage, aber Treichl möchte sich bei den Investoren bedanken, dass sie mitten in der Krise Kapital zur Verfügung gestellt haben. Daher können sich die privaten PS-Inhaber weiterhin über acht Prozent Zinsen pro Jahr freuen.
Neue Steuern fressen Gewinne
2010 kletterte der Nettogewinn der Erste Bank um 12,4 Prozent auf 1,015 Mrd. Euro. Dabei handelt es sich um das zweitbeste Ergebnis in der Unternehmensgeschichte. Nur 2007 lief das Geschäft noch besser. Die Dividende bleibt mit 65 Cent pro Aktie gleich. Wachstumstreiber waren die Märkte in Österreich, Tschechien und in der Slowakei.
Die Tochter in Ungarn rutschte wegen der dortigen Bankensteuer mit 21,8 Mio. Euro in die roten Zahlen. In der von der Wirtschaftskrise schwer gebeutelten Ukraine wurde der Verlust auf 37,5 Mio. Euro reduziert. Einen Rückzug aus diesem Land schloss Treichl jedoch aus.
In Rumänien sank der Gewinn von 73,5 Mio. Euro auf 8,5 Mio. Euro. In Österreich kletterte der Ertrag von 125 Mio. Euro auf 161,8Mio. Euro. Allerdings wird die Bankensteuer ab 2011 mehr als die Hälfte des hierzulande erzielten Ergebnisses auffressen.
Für heuer gibt sich Treichl dennoch zuversichtlich. „Wir leben in einer unsicheren Zeit.“ Es werde aber gelingen, trotz höherer Abgaben ein besseres Ergebnis zu erwirtschaften. Eine konkrete Prognose für das Gesamtjahr nannte Treichl nicht. Analysten gehen davon aus, dass der Gewinn auf 1,36Mrd. Euro steigen wird.
Kein Gaddafi-Geld bei Erste Bank
An der Börse fiel die Aktie trotz der guten Zahlen um etwas mehr als ein Prozent auf 37,50Euro. Als Grund nannten Händler Gewinnmitnahmen, denn die Aktie hatte in den vergangenen Wochen stark zugelegt. Zur Diskussion über das Einfrieren von Gaddafi-Geld meinte Treichl, die Banken seien Vollzugsorgane. Die Sperre von Konten müsse gesetzlich geregelt werden. Bei der Erste Bank liege kein Geld von Gaddafi. Er, so Treichl, sei dafür, dass man das Vermögen des Diktators „total einfriert und auch den Menschen dort zurückgibt, wo man es gestohlen hat“.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.02.2011)