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China: Journalist bei Protesten ins Gesicht getreten

Police arrest a man in front of the Peace Cinema in downtown Shanghai, after calls for a Jasmine Rev
REUTERS (Carlos Barria)
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Auch österreichische Berichterstatter wurden behindert, zahlreiche ausländische Kollegen verhaftet. Die Regierung will Demonstrationen mit aller Macht verhindern.

Die chinesischen Behörden haben offenbar aus Angst vor Demonstrationen wie in der arabischen Welt mit einem massiven Polizeiaufgebot ihre Macht demonstriert. Nach einem Protestaufruf im Internet wurden am Sonntag etliche ausländische Reporter festgenommen, darunter Journalisten von ZDF, ARD und der Deutschen Presse-Agentur. Auch ein Team des ORF war behindert worden. Die Journalisten wurden "auf nicht sehr feine Art" aus dem Protest-Areal geworfen, berichtet ORF-Korrespondent Jörg Winter. In den Innenstädten von Peking und Shanghai wurden zahlreiche Passanten kontrolliert. Zeugen zufolge wurde ein amerikanischer Kameramann in Peking mehrfach getreten, geschlagen und schließlich festgenommen. Der Journalist der US-Nachrichtenagentur Bloomberg habe wegen seiner Gesichtsverletzungen am Abend ins Krankenhaus gebracht werden müssen, berichtete ein westlicher Diplomat.

Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle kritisierte das Vorgehen der chinesischen Polizei gegen die Journalisten. Er sei beunruhigt über diese Nachricht. Die deutsche Bundesregierung werde ihre Sorgen den chinesischen Partnern in einer passenden Weise übermitteln, sagte Westerwelle in Berlin.

Proteste im Keim ersticken

Dem Polizeieinsatz war ein Aufruf auf der in den USA ansässigen chinesischen Webseite Boxun.com vorangegangen. Darin wurden Chinesen aufgefordert, wie in Tunesien eine "Jasmin-Revolution" zu starten und sich an öffentlichen Plätzen zu versammeln, um sich für demokratische Reformen einzusetzen. Einer der genannten Treffpunkte war die Pekinger Einkaufsstraße Wangfujing, wo die die Präsenz der Sicherheitsbehörden deutlich sichtbar war. Mehrere ausländische Reporter wurden festgesetzt. So wurde eine ARD-Korrespondentin mit ihrem Kamerateam nach Angaben des Senders für vier Stunden festgehalten und erst freigelassen, nachdem sie sich schriftlich entschuldigt hatte. Dem Bericht zufolge wurde ihr vorgeworfen, keine Drehgenehmigung gehabt zu haben. Auch ein ZDF-Team und ein dpa-Reporter waren nach Angaben der beiden Medien von dem Einsatz betroffen.

Wer hinter dem Protestaufruf steht, war zunächst unklar. Die chinesische Regierung blockiert Kurznachrichten und Einträge auf Webseiten mit Bezug zur Jasmin-Revolution in Tunesien. Dabei wurde der langjährige Staatschef Zine el-Abidine Ben Ali gestürzt. Am Sonntag erklärte auch Ministerpräsident Mohamed Ghannouchi nach Protesten seinen Rücktritt. Auslöser für die Demonstrationen, die inzwischen weite Teile der arabischen Welt erfasst haben, waren hohe Lebensmittelpreise, Armut, Arbeitslosigkeit und Unterdrückung.

(Ag.)