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Erdoğan: "Türkische Kinder sollen zuerst Türkisch lernen"

(c) AP (Burhan Ozbilici)
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Die deutsche Regierung kritisiert Rede des türkischen Ministerpräsidenten scharf. Außenminister Westerwell betonte, die deutsche Sprache sei der „Schlüssel zur Integration“. Besonders empört zeigte sich die CSU.

Berlin/E. m./Ag. Der türkische Premier Recep Tayyip Erdoğan hat mit seiner Aussage, in Deutschland lebende türkische Kinder sollten zuerst ihre Muttersprache lernen, heftigen Widerspruch provoziert. Die Regierung in Berlin sei der Überzeugung, konterte deren Sprecher Steffen Seibert, „dass das Deutschlernen in der Bedeutung dem Türkischlernen zumindest gleichgestellt“ werden müsse; Volksschullehrer könnten ein Lied davon singen, wie schwer es Kinder hätte, die mit unvollständigen oder bruchstückhaften Deutschkenntnissen in die erste Klasse kämen.

Außenminister Guido Westerwelle und seine FDP betonen, die türkischstämmigen Kinder müssten zuallererst Deutsch lernen; die deutsche Sprache sei der „Schlüssel zur Integration“. Besonders empört über Erdoğans Rede, die er Sonntagabend vor rund 10.000 Menschen in Düsseldorf gehalten hatte, zeigte sich die CSU, die die Einbestellung des türkischen Botschafters forderte.

 

Rückschlag für Integration

Es sei nicht akzeptabel, dass ein ausländischer Regierungschef regelmäßig seine Landsleute in Deutschland aufwiegle, sagte CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt. Damit würden die Integrationsbemühungen um Jahre zurückgeworfen. Die Aussage, die Türkei sei die Schutzmacht für alle Türken, auch in Deutschland und Libyen, sei eine nicht hinnehmbare Entgleisung. „Wir lassen uns von Herrn Erdoğan nicht mit Libyen vergleichen.“

Erdoğan hatte seine in Deutschland lebenden Landsleute zwar zur Integration aufgerufen, sich aber – nicht zum ersten Mal – gegen eine Assimilation ausgesprochen. „Niemand wird in der Lage sein, uns von unserer Kultur loszureißen. Unsere Kinder müssen Deutsch lernen, aber sie müssen erst Türkisch lernen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.03.2011)