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Erwärmung: Wird Afrika verhungern oder aufblühen?

(c) AP (Ajit Solanki)
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Die Prognosen für die Landwirtschaft auf dem schwarzen Kontinent sind selbst für klimabesorgte Forscher „diffus“. Manche sehen die Agrarproduktion völlig zusammenbrechen, anderen erwarten ein Aufblühen wie nie.

Um 2020 könnte in einigen Ländern die Ernte um 50 Prozent reduziert sein“ und der Zugang zu Nahrung „ernsthaft gefährdet“. So düster malte der Bericht des UNO-Klimabeirats IPCC 2007 die nahe Zukunft Afrikas. Zwei Jahre später fiel die Prognose auf den IPCC zurück: Im Herbst 2009 kam „Climategate“ – gehackte E-Mails innerhalb der Klimazunft weckten den Verdacht, missliebige Daten seien unterdrückt worden –, kurz darauf wurden Fehler im IPCC-Bericht bekannt. Sie erschütterten das Vertrauen in den IPCC bzw. den Glauben an den Klimawandel nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern auch bei einer Vermittlungsinstanz, den TV-Wetterfröschen. Im Jänner 2010 hat Ed Maibach (George Mason University) 571 befragt, nun liegt das Ergebnis vor: 20 Prozent waren durch die Ereignisse „etwas weniger“ davon überzeugt, dass eine globale Erwärmung kommen werde, zwölf Prozent waren es „viel“ weniger (Bulletin of the American Meteorological Society, 92, S. 31).

Ernten: Minus 100 oder plus 168 Prozent?


Die Umfrage bezog sich auf „Climategate“, aber die IPCC-Fehlprognosen spielten mit, erst hatten sie die Himalaya-Gletscher „bis 2035“ schmelzen sehen, dann eben Afrika ab 2020 hungern. Beides stützte sich nicht auf begutachtete Fachliteratur („peer review“), sondern auf Hörensagen („grey literature“). Bei den Himalaya-Gletschern kam die Korrektur 2010 – noch Jahrhunderte werden sie halten –, bei Afrika wird jetzt zurückgerudert, von Mitarbeitern des Instituts für Klimafolgenforschung in Potsdam, es ist für starke Klimasorgen bekannt. Nun hat eine Gruppe um Christoph Müller Prognosen ausgewertet, die seit 2007 für Afrika erarbeitet wurden, sie zeigen ein frappierendes Bild: Manche sehen die Agrarproduktion völlig zusammenbrechen („minus 100 Prozent“), anderen erwarten ein Aufblühen wie nie („plus 168 Prozent“).
„Das Gesamtbild mag diffus und ungeeignet für klare Schlussfolgerungen sein“, schließen die Forscher: „Einerseits gibt es eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, dass zumindest Teile der Landwirtschaft Afrikas durch den Klimawandel negativ betroffen sein werden, aber gleichzeitig gibt es eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Landwirtschaft in Afrika positiv betroffen sein wird“ (Pnas, 28. 2.). Früher hätte man das Sprichwort vom Hahn auf dem Mist bemüht. Aber wie auch immer: Die gleiche Wissenschaft, die nicht prognostizieren kann, wie es kommen wird, soll nun zeigen, „wie und ob“ sich die Agrikultur in Afrika darauf einstellen und ihre Erträge unter den unbekannten neuen Bedingungen „signifikant verbessern“ kann.