Die Transparenz im Energiesektor lässt zu wünschen übrig. Gerade Staatsbetriebe halten sich mit Informationen über Partner und nötige Zahlungen zurück, so eine aktuelle Studie.
[Wien] Das hätten wir auch vor der Revolte in Libyen gewusst: Wer nach Erdöl bohrt, tut das vermutlich nicht in lupenreinen Demokratien. Da unter dem Boden Norwegens nun einmal nicht ausreichend Öl für alle Interessenten zu finden ist, überweisen Ölkonzerne eben Milliarden Dollar für Lizenzen, Steuern und andere Zahlungen an die teils autokratischen Herrscher über den begehrten Rohstoff. Das Volk bekommt vom Reichtum seines Landes oft nur wenig ab. Zu viel versickert in fremden Taschen, kritisiert etwa Transparency International (TI), deren Korruptionsranking Ölstaaten meist ganz oben ausweist.
Die Energiekonzerne schrecken dennoch nicht vor Geschäften in politisch sensiblen Regionen zurück oder sind dazu gezwungen. „Dass wir ein Land missionieren und ein Regime von Grund auf ändern, wird uns nicht gelingen“, sagte der damalige Explorations- und Produktionschef der OMV, Helmut Langanger, im Vorjahr zur „Presse“. „Das kann aber niemand.“
TI sieht das anders: Wenn Ölkonzerne offenlegen, wie viel Geld sie dem jeweiligen Regime bezahlen, könnte die Bevölkerung mögliche Korruption rascher aufspüren, so die Idee dahinter. In ihrem jüngsten Bericht, „Promoting Revenue Transparency“, untersucht die Organisation, wie es 44 Öl- und Gaskonzerne mit der Transparenz ihrer Geschäfte halten.
Private Firmen sind am offensten
Das Ergebnis ist ernüchternd. Zwar haben die Konzerne im Vergleich zum vorigen Bericht (2008) weniger Probleme, über eigene Anti-Korruptions-Programme zu informieren und Unternehmenszahlen und -strukturen offenzulegen. Darüber, welche Summen aber genau an Regierungen fließen und wie die Gewinne aufgeteilt werden, spricht aber immer noch keine Firma gerne. Im Schnitt erreichten die Unternehmen hier nur 14 von 100 Punkten.
Auffallend ist: Je weniger Einfluss der Staat auf ein Unternehmen hat, desto besser ist es um dessen Transparenz bestellt. So gehören etwa börsenotierte Unternehmen wie die spanische Repsol und die britische BG Group zu den offensten Firmen in der Studie. Am anderen Ende finden sich hingegen Unternehmen wie die staatliche SaudiAramco, der vermutlich wertvollste Konzern der Welt, oder PetroChina, Tochter von Chinas staatlicher Ölgesellschaft CNPC.
Die OMV liegt in allen drei Kategorien im guten Mittelfeld. Nur über das Geschäft in Kasachstan spricht der Konzern von sich aus offenbar nicht so gerne (ausgewertet wurden Unternehmensberichte und -websites). Bei der Frage nach Geschäften mit dem autokratisch geführten Staat kommt die OMV nur auf 15 von 100 Punkten. Die rumänische OMV-Tochter Petrom hat in Kasachstan Förderlizenzen für mehrere Ölfelder. Auf Nachfrage verweist die OMV allgemein auf den „hohen Stellenwert von Transparenzregelungen bei der OMV“.
An Kasachstan allein dürfte die Verschwiegenheit nicht liegen. So erreichte die italienische Eni bei denselben Fragen zu ihrem Kasachstan-Geschäft satte 92 Punkte.
("Die Presse", Printausgabe, 1.3.2011)