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Ein Frauentag mit Folgen für die Weltgeschichte

Heute hat der Frauentag vor allem symbolische Bedeutung. Doch er hat schon einmal eine Revolution ausgelöst – jene in Russland 1917.

Der erste Frauentag fand am 19. März 1911 statt. Der Tag davor, der 18.März, war der Gedenktag für die Opfer der Revolutionen von 1848. Sechs Jahre später sollte der Frauentag selbst Geschichte schreiben – und die Welt verändern.

Es war der 8.März 1917, nach julianischem Kalender der 23.Februar. In St.Petersburg hatten sich aus Anlass des Frauentags Soldatenfrauen zusammengefunden, um gegen Brotknappheit und (Welt-)Krieg zu demonstrieren. Arbeiter- und Bauersfrauen reihten sich ein. Die Demonstration weitete sich immer mehr aus. Soldaten, Arbeiter, Vertreter des Bürgertums schlossen sich an. Die politische Opposition – Bürgerliche, Sozialisten und Kommunisten Hand in Hand – nützte die Gunst der Stunde. Die „Februarrevolution“ (benannt nach dem julianischen Kalender) führte zum Sturz des Ancien Régime. Zar NikolausII. wurde zur Abdankung gezwungen.

„Für eine kurze Zeitspanne war Russland in Liebe zu Freiheit und Demokratie vereint. Es schien sein 1789 zu erleben“, schreibt der Historiker David Priestland. Die Marseillaise wurde zur Nationalhymne, die Menschen redeten einander mit „Bürger“ („Graschdanin“) an. Im aktuellen Ken-Follett-Bestseller, „Sturz der Titanen“, wird der Aufstand der Frauen von St.Petersburg ebenfalls thematisiert. Im Oktober/November 1917 übernahmen dann aber die Bolschewiken in einem Staatsstreich die alleinige Macht. In Erinnerung an den Auslöser der Revolution, die Frauen-Demonstration vom 8.März 1917, verfügte der neue Machthaber Lenin, dass der 8. März künftig der Internationale Frauentag sein soll. Er wurde es dann auch in der nicht kommunistischen Welt.

Zur Zeit des Kalten Krieges wollte man diesen Ursprung im Westen aber lieber vergessen machen. So wurde nachträglich ein Streik von Textilarbeiterinnen am 8.März 1857 in New York als Grundlage für den Internationalen Weltfrauentag herangezogen.

 

E-Mails an: oliver.pink@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.03.2011)

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