Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Wohnbau: Wien will „interkulturelles Wohnen“

(c) Clemens Fabry
  • Drucken

Auf den Mautner-Markhof-Gründen in Wien-Simmering entsteht eine neue Siedlung, die gezielt Menschen mit Migrationshintergrund mit „Einheimischen“ zusammenzubringen soll. „Interkulturelles Wohnen“ als Projekt.

Wien. Lärm, Nichteinhalten der Hausordnung und schlechte Deutschkenntnisse – diese Vorwürfe sind häufig zu hören, wenn es um das Zusammenleben mit Menschen mit Migrationshintergrund geht. Sozialer Sprengstoff in Wohnanlagen, dem einerseits mit dem Ruf nach strengeren Regeln begegnet wird – etwa Deutschkenntnissen als Voraussetzung für den Einzug (siehe Artikel oben) –, dem aber auch einige andere Maßnahmen entgegengesetzt werden.

Die Stadt Wien sieht ein Patentrezept darin, Menschen mit Migrationshintergrund gezielt mit „Einheimischen“ zusammenzubringen. „Interkulturelles Wohnen“ nennt die Stadt derartige Projekte. Ein ebensolches soll nun auf den ehemaligen Mautner-Markthof-Gründen in Wien Simmering entstehen. Bis 2013/2014 werden fünf Bauprojekte mit insgesamt 748 Wohnungen errichtet. 627 davon entstehen mit Mitteln der Wiener Wohnbauförderung.

„Wir haben gute Erfahrungen mit dem Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Kulturen gemacht. Das möchten wir jetzt mit den Bauprojekten in Simmering weiterführen“, sagt Wohnbaustadtrat Michael Ludwig (SPÖ) im Gespräch mit der „Presse“. Das aktuelle Projekt ist – nach dem Wohnprojekt am ehemaligen Nordbahnhof – der zweite Bauträgerwettbewerb, der interkulturelles Wohnen zum Thema hat.

Interkulturelle Wohnprojekte zielen demnach nicht nur auf eine soziale Durchmischung der Bewohner ab, sondern bieten auch eine entsprechende Architektur, die Begegnungen ermöglicht. Das sollen in Gemeinschaftsräumen oder -gärten, großzügigen Stiegenhäusern, einem Kindertagesheim, Jugendzentren, zwei Dachschwimmbädern oder einem interkulturellen Kaffeehaus stattfinden.

 

Ein Drittel Migranten

Um Migranten gezielt anzusprechen, wird das Wohnprojekt in Migrantenvereinen und -medien beworben. „Menschen mit Migrationshintergrund fehlt es weniger an Eigenmitteln, als am Wissen, dass es so etwas gibt“, sagt Ludwig.

Regulierungen oder gar Quoten für das neue Projekt gibt es keine. Ludwig rechnet aber damit, dass 20 bis 30 Prozent der zukünftigen Mieter und Eigentümer Migranten sein werden. Das Interesse sei jedenfalls groß, erste Voranmeldungen laufen bereits.

Im August wird mit dem Bau des ersten Projekts begonnen. Fertiggestellt sollen die einzelnen Wohnblöcke dann in der Zeit von August 2013 bis Jänner 2014 werden. Insgesamt sechs Bauträger sind für die fünf Projekte verantwortlich. Damit soll das Bild der einheitlichen Riesengemeindebauten, wie sie in den 1970er-Jahren üblich waren, vermieden werden. Zusätzlich entstehen auf den ehemaligen Mautner-Markhof-Gründen auch neue Einrichtungen, wie ein Bildungszentrum und ein Pflegewohnhaus.

Neben den geförderten Wohnungen ist ein kleiner Teil für jene Menschen reserviert, die über der Einkommensgrenze für geförderte Wohnungen liegen. Diese nicht geförderten Wohnungen sollen zusätzlich auch für noch mehr soziale Durchmischung sorgen.

In der Stadt Wien zeigt man sich jedenfalls optimistisch, dass das gemeinsame Wohnen zu mehr Verständnis untereinander – und zur Integration von Migranten – führt. Allerdings: Sollte es im interkulturellen Wohnprojekt dennoch einmal zu Konflikten kommen, setzt man auch hier auf eine in Wien bereits gängige Maßnahme: eine eigene Truppe in Form von Hausmanagern.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.03.2011)