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EZB: Banken beenden massive Geldleihe

EZB-Chefvolkswirt gegen gemeinsame Anleihe der Euro-Laender
(c) AP (Martin Oeser/ddp)
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Die Banken leihen sich kaum noch Geld bei der EZB, dafür bunkern sie es nun dort. "Das sieht alles ein bisschen unlogisch aus", sagt ein Händler.

Die Banken in der Euro-Zone haben sich in der Nacht zu Donnerstag kaum noch Geld bei der Europäischen Zentralbank (EZB) geliehen. Damit ist wieder Normalität eingekehrt. Denn vor zwei Wochen hatten Banken der Euro-Zone ungewöhnlich viel aus der Spitzenrefinanzierungsfazilität der EZB geliehen. Der Wert war sprunghaft von 1,2 auf 15,8 Millliarden Euro angestiegen, wie "DiePresse.com" damals berichtete. Die überraschend starke Nutzung der sogenannten Übernacht-Ausleihe hatte für Aufsehen am europäischem Geldmarkt gesorgt.

Das Volumen der Spitzenrefinanzierungsfazilität sank Angaben der Notenbank von Donnerstag zufolge auf lediglich 1,25 von 15,1 Milliarden Euro am Vortag. Banken müssen für diese Notausleihe einen Zinssatz von 1,75 Prozent bezahlen.

Zugleich schwoll aber das Volumen in der mit 0,25 Prozent sehr niedrig verzinsten Einlagefazilität von 26,88 auf 33,85 Milliarden Euro an. Eine ähnliche Entwicklung hatte es zuletzt 2009 gegeben, als sich die Banken aus Misstrauen untereinander kein Geld mehr leihen wollten.

"Das sieht alles ein bisschen unlogisch aus"

Händler führten die deutlich geringere Nachfrage nach EZB-Geld auf eine Entspannung im irischen Bankensektor zurück, wo einige Wertpapier-Pakete zuletzt eingefroren waren. "Nachdem ein Gericht in der vergangenen Woche den Weg dafür freigemacht hatte für den Verkauf von Wertpapiere aus dem Besitz verstaatlichter irischer Banken, stehen diese nun wieder als Sicherheit für den Wochentender zur Verfügung", sagte ein Händler.

"Folglich müssen einige Institute nicht mehr auf die teure Spitzenrefinanzierungsfazilität zurückgreifen." Ganz vom Tisch scheint das Thema aber noch nicht zu sein. "Die Spitzenrefinanzierungsfazilität ist zuletzt sehr unregelmäßig nachgefragt geworden, das sieht alles ein bisschen unlogisch aus", sagte ein weiterer Händler.

Geldmarkt der Euro-Zone bleibt gespalten

Nach Einschätzung von Francesco Papadia, der die Marktoperationen bei der EZB leitet, ist der Geldmarkt der Euro-Zone weiter gespalten. "Die Banken fragen in der Summe weniger Liquidität als zuletzt nach", sagte er am Donnerstag während einer Konferenz. "Am anderen Ende gibt es jedoch einige Banken in den sogenannten Peripherie-Ländern der Euro-Zone, die weiterhin stark von der Liquidität der Europäischen Zentralbank abhängen."

(Ag.)