Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Vieh verursacht ein Zehntel der Treibhausgase

(c) Www.BilderBox.com (Www.BilderBox.com)
  • Drucken

Europas Viehzucht trägt weniger zum Klimawandel bei als bisher vermutet, ergibt eine Studie der Europäischen Kommission. Das ist Balsam auf die Seele einer Industrie, die unter steigenden Druck der Bürger gerät.

Brüssel. Eine Studie der Europäischen Kommission beziffert den Anteil der europäischen Viehzucht am gesamten Ausstoß von Treibhausgasen in Europa mit 9,1 bis 12,8 Prozent. Das ist um ein Drittel bis um die Hälfte weniger als bisher angenommen.

Dieser Befund (siehe Internethinweis) wird Europas Agrarlobby dabei unterstützen, strengere Umweltauflagen abzuwehren. Im Zug der Reform der gemeinsamen Agrarpolitik der EU wird nämlich auch darüber diskutiert, einen wachsenden Teil der jährlichen Subventionen von rund 55 Milliarden Euro nur dann auszubezahlen, wenn die Bauern strengere Umweltauflagen als bisher erfüllen.

Vieh erzeugt beim Atmen Kohlendioxid und beim Verdauen Methan. Zudem trägt die Herstellung von Futtermitteln und die Abholzung von Wäldern zur Schaffung von Weideland zum Treibhauseffekt bei. Seit einer brisanten Studie der UN-Agrar- und Nahrungsmittelorganisation FAO aus dem Jahr 2006 beziffert man diesen Anteil der weltweiten Viehwirtschaft am Treibhausgasausstoß mit 18 Prozent. Folglich sehen sich die Landwirte in der anschwellenden Debatte um den menschlichen Beitrag zum Klimawandel in ein Eck mit Stahlkochern, Lkw und Kohlekraftwerken gedrängt.

 

Agrarier im Erklärungsnotstand

Vor allem für Europas Bauern und ihre Interessenvertreter wiegt das schwer. Sie werden spätestens seit der Reform der gemeinsamen Agrarpolitik der EU im Jahr 2003 nicht müde zu betonen, dass ihr Subventionssystem der Preis für ihre Umweltfreundlichkeit sei. Zudem gerät die Viehzucht in Nordamerika und Europa unter wachsenden Druck kritischer Bürger. Bücher wie „Tiere essen“ des US-Autors Jonathan Safran Foer oder „Anständig essen“ der Deutschen Karen Duve sind Kassenschlager und gehen mit der Fleischindustrie hart ins Gericht.

 

Lob für Österreichs Rinderzucht

Die am Freitag in Brüssel vorgestellte Studie des Joint Research Centre (das ist der wissenschaftliche Dienst der Kommission) erfasst die Emissionen von Rindern, Schweinen, Schafen, Ziegen und Hühnern: von der Geburt bis zur Schlachtung, einschließlich der Herstellung von Dünger und Pestiziden für Futter. Ihr Ergebnis: Basierend auf Zahlen aus dem Jahr 2004 setzte Europas Viehzucht 661 Millionen Tonnen an Kohlendioxid-Äquivalenten frei. Den höchsten Ausstoß verursachen Rindfleisch (22,2 Kilogramm CO2-Äquivalente pro Kilogramm Fleisch) sowie Schaf- und Ziegenfleisch (20,3 Kilogramm). Ein Kilogramm Schweinefleisch sorgt für 7,5 Kilogramm Emissionen, ein Kilogramm Kuhmilch für 1,4 Kilogramm.

Österreichs Rinderzucht schneidet besonders gut ab. Weil die heimischen Hörndlbauern besonders viel Gras verfüttern und wenig Futter importieren, verursacht ein Kilogramm österreichisches Rindfleisch „nur“ 14,2 Kilogramm Treibhausgase.

Argument gegen Fleischimporte

Die Studie liefert Europas Agrarlobby auch ein „grünes“ Argument zur Abwehr ihrer schärfsten Konkurrenten aus Übersee. „Rindfleisch aus Brasilien hat den höchsten CO2-Fußabdruck“, heißt es. Ein brasilianisches Steak trägt mindestens doppelt so stark zum Treibhauseffekt bei wie eines aus Europa. Allerdings: Ein Kilogramm brasilianisches Huhn verursacht mit 1,2 Kilogramm nur ein Viertel der Emissionen seines Pendants aus der EU. Die Studienautoren weisen aber auf unterschiedliche Berechnungsmethoden hin, die Ergebnisse seien deshalb nicht ohneweiters direkt vergleichbar.

WEITERE INFORMATIONEN UNTER

http://ec.europa.eu/agriculture/analysis/external/livestock-gas/fulltexten.pdf

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.03.2011)