Bundeskanzler Faymann ist auf der Suche nach einem neuen Koordinator der Medienagenden. Nikolaus Pelinka winkt vehement ab. Der neue Kandidat muss zweifelsohne in einem gewissen Naheverhältnis zur SPÖ stehen.
Seit 1. März ist der Chefsessel in der Sektion sieben im Bundeskanzleramt verwaist. Samo Kobenter, der von Alfred Gusenbauer im Sommer 2007 in diese Funktion geholt wurde, ist seit 1. März Leiter der Sportsektion im Verteidigungsministerium. Seine Agenden hat nun interimistisch Sektionsleiter Manfred Matzka übernommen.
Noch ist der Leitungsposten für den Bundespressedienst nicht neu ausgeschrieben, schon beginnt das Rätselraten über die aussichtsreichsten Kandidaten. Der, der am häufigsten genannt wird, dementiert vehement: Nikolaus Pelinka, derzeit für Public Affairs in der ÖBB zuständig und seit dem Vorjahr Leiter des SP-nahen Freundeskreises im ORF-Stiftungsrat, sagt: „Ich bin glücklich wo ich bin und freue mich, in der ÖBB langsam meinen Platz gefunden zu haben.“ Er bewerbe sich mit Sicherheit nicht für den Job.
Der neue Kandidat muss zweifelsohne in einem gewissen Naheverhältnis zur SPÖ stehen, auch wenn die Politik das gerne dementiert. Die Entscheidung fällt letztlich Bundeskanzler Werner Faymann in Absprache mit Medienstaatssekretär Josef Ostermayer. Der Leiter des Bundespressedienstes ist gleichzeitig Herausgeber der „Wiener Zeitung“, sozusagen als Vertreter des Eigentümers, der Republik Österreich. Samo Kobenter, der davor Innenpolitikredakteur beim „Standard“ war, hatte bei seinem Antritt als Chef des Bundespressedienstes 2007 angekündigt, die „Wiener Zeitung“ werde sich verändern: „Sie will sich für die Zukunft rüsten“. Während seiner Amtszeit wurde zumindest der Chefredakteur ausgewechselt: Auf Andreas Unterberger folgte im Herbst 2009 Reinhard Göweil. Das Amtsblatt liegt der „Wiener Zeitung“ noch immer bei, obwohl der EU das Monopol der Zeitung auf amtliche Vereinbarungen ein Dorn im Auge ist.
Der Posten für die Leitung des Bundespressedienstes wird in den kommenden Tagen ausgeschrieben werden, nach einer vierwöchigen Bewerbungsfrist wird Kobenters Nachfolger Mitte bis Ende April feststehen. Nur der Kanzler und seine Medienstrategen wissen schon jetzt, wer neuer Koordinator für Medienangelegenheiten im Kanzleramt wird. awa/APA
("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.03.2011)