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SuperMarkt: Quoten für Frauen? Yes, Please!

SuperMarkt Quoten fuer Frauen
(c) Erwin Wodicka

In Österreich sollen Frauen per Gesetz in Aufsichtsräte gehievt werden. Gute Argumente sprechen dagegen. Die besseren aber dafür. Gleichzeitig sollte das gesamte Aufsichtsratswesen grundlegend überarbeitet werden.

Es ist zugegeben reichlich billig, sich kurz vor dem Weltfrauentag für gesetzlich verpflichtende Frauenquoten in Aufsichtsräten ins Zeug zu legen. Erstens ist es ziemlich anbiedernd, zweitens verneint eine ganze Reihe von guten Gründen einen derart schweren Eingriff in die unternehmerische Freiheit. Etwa jener, dass es den Eigentümern von Unternehmen überlassen sein sollte, wen sie für qualifiziert halten, die Verwendung ihres Geldes zu beaufsichtigen. Ob ein Aufsichtsrat mit Frauen oder ohne sie besetzt wird, geht eigentlich niemanden etwas an. Außer eben jene, die für die Kredite des Unternehmens geradestehen.

Hinzu kommt, dass sich hinter staatlichem Zwang in den meisten Fällen fragwürdige Ziele verstecken. Keinesfalls zu übersehen ist wohl auch das Argument, dass kluge Frauen keine Quoten brauchen, um ein Aufsichtsratsmandat in einem größeren Unternehmen zu ergattern. Das schaffen schließlich auch blöde Männer. Hinzu kommen die nicht gerade berauschenden Ergebnisse aus jenen Ländern, in denen Frauenquoten für Aufsichtsräte längst existieren.


Der pure Luxus. Das sind zwar alles Argumente, aber keine, die restlos überzeugen. Schwerer wiegt nämlich das Faktum, dass westliche Volkswirtschaften auf die Hälfte der Intelligenz (jene der Frauen) weitgehend verzichten, wenn es um das Beaufsichtigen und auch das Führen großer Unternehmen geht. Ein Luxus, den sich wohlhabende Länder nicht leisten sollten. Was wohlfahrtstechnisch passiert, wenn die Talente von Frauen aus dem Wirtschaftsleben verbannt werden, lässt sich in arabischen Länder schön beobachten.

Hierzulande würde heute auch kaum jemand auf die Idee kommen, seiner Tochter zu erklären, dass ein Studium oder eine außerhäusliche Beschäftigung nichts für eine Frau wäre. Leichter tun sich Väter noch damit, ihren Töchtern zu erklären, dass Aufsichtsratsposten Männern vorbehalten sein sollten. Nun könnte man freilich einwenden, dass vielen Frauen die Qualifikationen für diese Tätigkeit fehlen. Dazu müsste man aber vor 150 Jahren geboren worden sein. Heute sind mehr als die Hälfte der Absolventen wirtschaftswissenschaftlicher und juridischer Fakultäten weiblich. In Finanz- und Steuerrechtseminaren wimmelt es von gescheiten Frauen, deren Karrieren sich nach Abschluss des Studiums nur in einem Punkt von jenen der männlichen Kollegen unterscheiden: Sie enden in der zweiten Führungsebene.


Aufsichtsrat als Schaltstelle. Warum das so ist, erklären viele Frauen damit, dass sie in Aufsichtsräten kaum vertreten sind. Dort werden nämlich die Vorstandsmandate und damit die Plätze an der Sonne vergeben. Womit auch unterstellt wird, dass Männer deshalb ihren Geschlechtsgenossen diese Schaltstellen sichern. Ob dem so ist oder ob sich Frauen zu schade sind, ihre Lebenszeit hinter gepolsterten Hinterzimmern mit dem Beaufsichtigen von Vorständen zu vergeuden, ist letzten Endes irrelevant. Relevant ist, dass hier der Wettbewerb der besten Köpfe nicht funktioniert und intellektuelles Potenzial ungenutzt bleibt. Andernfalls säßen mehr Frauen in Aufsichtsräten.

Ein staatlicher Eingriff ist vermutlich in wenigen Bereichen besser zu rechtfertigen als in diesem. Die Aktion ist nämlich weitgehend risikolos: Was soll schon passieren? Noch schlechter als Männer können Frauen heimische Unternehmen nicht beaufsichtigen. Es waren schließlich männliche Aufsichtsräte, die Kontrollorgane zu Crèmeschnitten-Vernichtungsanstalten degradierten. Es waren auch männliche Aufsichtsräte, die bei jedem der jüngst aufgeflogenen Skandale weder etwas gesehen noch etwas gehört haben wollen. Schön, wenn wenigstens der Kaffee geschmeckt hat.

Mehr Frauen in Aufsichtsräte zu bringen ist schon deshalb eine gute Idee, weil die Chancen, dass sie es besser machen als ihre Geschlechtsgenossen, zumindest intakt sind. Frauen haben hinlänglich bewiesen, sich weniger über Netzwerke zu „verhabern“. Im Gegensatz zu Männern: Jeder Vorstand ist irgendwo Aufsichtsrat, jeder Aufsichtsrat irgendwo Vorstand. Hierzulande suchen sich nämlich nicht die Eigentümer (Aktionäre) ihre Kontrollorgane aus, sondern die Vorstände. Gefragt ist weniger der renitente Typ. Sondern der nette, verständnisvolle.

Leider muss dem Wettbewerb der besten Köpfe nachgeholfen werden, weil niemand aus freien Stücken seinen Sessel räumt. Deshalb ist eine befristete (sagen wir: fünf Jahre) Frauenquote für Aufsichtsräte (sagen wir: 30 Prozent) ein interessantes Experiment. In dieser Zeit ließe sich auch beobachten, ob und wie sich die Qualität der in den Kontrollorganen geleisteten Arbeit verändert, und ob es auch mehr Frauen in die Chefetage schaffen.


Mehr Verantwortung, mehr Geld.
Gleichzeitig sollte der Gesetzgeber die Gelegenheit nützen, gleich das gesamte Aufsichtsratswesen grundlegend zu überarbeiten. In einem Land, in dem ein Handwerker nachweisen muss, zum Anbringen von Farbe an einer Wand auch tatsächlich befähigt zu sein, dürfte es nicht schaden, wenn auch Aufsichtsräte zeigen müssten, zumindest eine Bilanz lesen zu können.

In weiterer Folge wäre es wohl nicht ganz verkehrt, die Haftungen für jene Kontrollorgane zu verschärfen, denen in wichtigen Momenten immer wieder die Stimme versagt, die schlecht sehen, nicht gut hören und deren Arme in Abstimmungen immer wieder reflexartig in die Höhe schnellen. Ist das erst einmal geschafft, könnten auch die Bezüge von Kontrollorganen erhöht werden. Dann wären sie nämlich auch ihr Geld wert. Und das völlig unabhängig von ihrem Geschlecht, wie es sich für eine moderne Gesellschaft gehört. Ohne jetzt anbiedernd sein zu wollen.

franz.schellhorn@diepresse.com

 

>> Übersichtsseite: diepresse.com/frauentag

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.03.2011)