Wie Computersysteme und Menschen kooperieren

Computersysteme Menschen kooperieren
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Im Laura-Bassi-Zentrum "Quality Engineering" wird an IT-Systemen der Zukunft geforscht.

Die Elektronische Gesundheitsakte (Elga) soll eine neue Qualität in das Gesundheitswesen bringen: Alle Beteiligten (Patienten, Ärzte, Spitäler, Therapeuten oder Apotheker) können relevante und lebenswichtige Daten über Patienten in einem einheitlichen System abrufen – dadurch entfallen unzählige Doppeluntersuchungen, alle Informationen sind stets verfügbar. Politisch ist das Projekt noch einigermaßen umstritten, debattiert wird etwa darüber, wer Zugriff hat oder wie stark Patienten Mitsprache haben.

Unabhängig davon, wie diese Debatte ausgehen wird: Die Vernetzung von Computersystemen wird zunehmen. Und zwar nicht nur im Gesundheitswesen, sondern auch in vielen anderen Bereichen – von intelligenten Stromnetzen („Smart Grids“) bis hin zu Verkehrsinformationssystemen der Zukunft (etwa „Car-to-Car-Communication“). Solche „kooperativen Systeme“ werden die Welt gründlich verändern – etwa die Zusammenarbeit von Menschen effizienter gestalten, Märkte neu ordnen und neue Geschäftsmodelle hervorbringen. „Man kann das mit der Entwicklung des Internets vergleichen– nur sind die Umwälzungen nicht ganz so sichtbar“, sagt Ruth Breu, Informatikerin an der Uni Innsbruck und Leiterin des dortigen Laura-Bassi-Zentrums „Quality Engineering“ (QE LaB).

Allerdings merkt Breu im selben Atemzug an: „Wir sehen eine große Lücke bei Methoden der Informationstechnologie, wie man solche Systeme managt und deren Qualität sichert.“ Denn sollen sie funktionieren, müssen viele Kriterien erfüllt sein: Die Systeme müssen sicher gegen Angriffe von außen sein, müssen korrekt arbeiten, müssen Vertraulichkeit („privacy“) garantieren und benutzerfreundlich sein.

Bei kooperativen Systemen ist das nicht so einfach: Die Systeme werden von vielen Partnern dezentral betrieben, sie verändern sich ständig – und sie sind sehr groß. „Im Kleinen kann man jede Sicherheitsanforderung realisieren, aber das im Großen handhabbar zu machen, ist ein Problem“, erläutert Breu. Am Beispiel der Gesundheitsakte bedeutet das etwa, dass nicht wie bei derzeitigen Systemen fünf Gesundheitseinrichtungen eingebunden sind, sondern tausende – und dass es nicht ein paar 100 Benutzer gibt, sondern Millionen.

Mit rund 30 Mitarbeitern will Breu für solche Probleme des Qualitätsmanagements Lösungen entwickeln – und zwar in Kooperation mit einer Reihe von IT-Unternehmen, die praktische Aspekte in die Forschungen einbringen. Im Umfeld des Laura-Bassi-Zentrums werden zudem zahlreiche vom FWF, von der FFG und der EU geförderte Projekte bearbeitet.

Einer der Schwerpunkte dabei sind „lebendige Modelle“ – also Abbilder der tatsächlich laufenden Softwaresysteme, die für die Planung oder die Konfiguration wesentlich sind. „In der Architektur z.B. kann man davon ausgehen, dass der Plan eins zu eins in die Realität umgesetzt wurde – bei IT-Systemen ist das nicht so, denn diese entwickeln sich immer weiter“, so Breu.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.03.2011)