Daniela Iraschko: "Dann hätt' ich ausgesorgt"

Daniela Iraschko Dann haett
Daniela Iraschko(c) APA/BARBARA GINDL (BARBARA GINDL)

Skisprung-Weltmeisterin Daniela Iraschko redet über Frauen im Männersport und träumt von den Gagen der Kollegen Morgenstern, Schlierenzauer und Co.

Muss sich FIS-Präsident Gian-Franco Kasper Angst um Ihre Gebärmutter machen?

Daniela Iraschko: Sie spielen auf diesen einen Satz an, von dem ich aber gar nicht weiß, ob er von Kasper stammt.

Kaspar sagte einst, Skispringen sei nichts für Frauen, weil es ihnen bei der Landung die Gebärmutter zerreißen könnte.

Wenn er es gesagt haben sollte, dann kann ich ihn beruhigen. Ärzte haben dies eindeutig widerlegt.

 

Stört Sie bei dieser These die medizinische Relevanz, oder steckt da latente Frauenfeindlichkeit dahinter?

Gute Frage. Aber man braucht sich doch nur anschauen, wie lange die Entwicklung im Frauen-Skispringen gedauert hat. Andererseits kann ich von mir nur sagen, dass ich von Trainern und Kollegen total unterstützt worden bin.

Sind Sie im Sport nie diskriminiert worden?

Als ich diese Erfahrung erstmals gemacht habe, war ich noch zu jung, um so zu denken. Damals war ich zwölf Jahre alt und nur maßlos enttäuscht.

 

Was war geschehen?

Ich habe immer gerne Fußball gespielt. Ich war in einer Clique, da waren auch andere Mädchen dabei – und wir haben mit den Buben gemeinsam gespielt. Das taten wir dann auch im Verein. Und irgendwann habe ich aufhören müssen . . .

Und da waren Sie zwölf Jahre alt?

Genau. Mittlerweile dürfen Mädchen bis 15 mit den Buben spielen. Das ist natürlich toll. Denn mit diesem Alter kann man dann schon alleine mit dem Bus fahren, um irgendwo in der nächsten Stadt bei einer Damenfußballmannschaft zu spielen.

 

Trotzdem stehen Sie heute bei Wacker Innsbruck in der Damen-Bundesliga im Tor?

Ja, leider versäume ich die ersten Spiele, wegen meiner Knieverletzung.

Trotz dieser Verletzung holten Sie WM-Gold.Wie wichtig ist dieser Titel für Sie?

Ich hoffe, dass durch meine Goldmedaille in Oslo der Sport in Österreich populärer wird.

 

Gibt es Länder, in denen Frauen-Skispringenbereits mehr Beachtung findet?

Ja. In Deutschland, Norwegen und Slowenien gibt es bedeutend mehr Nachwuchs. In Österreich suchen die Vereine oft vergeblich nach Mädchen.

Es liegt auch an den von Männern dominierten Vereinen und Verbänden, dass zu wenig weiblicher Nachwuchs da ist?

Das glaub ich gar nicht. Der Österreichische Skiverband hat da eigentlich eine Vorreiterrolle übernommen.

 

Es braucht also gar keine Frauen in Führungspositionen?

Natürlich wären mehr Frauen in wichtigen Sportgremien erstrebenswert. Wenn ich etwa an das Internationale Olympische Komitee denke, dann sehe ich dort nur alte Männer.

Engagieren Sie sich für Frauenrechte?

Als Studentin an der Uni Innsbruck war ich sogar Frauenreferentin. Was mich besonders betroffen macht, sind die vielen Spielarten von – meist auch versteckter – Gewalt gegen Frauen.

 

Woran denken Sie da konkret?

Ich denke etwa an Mobbing am Arbeitsplatz. Aber auch daran, dass Frauen noch immer für die gleiche Leistung weniger Geld bekommen.

Aber das trifft doch auch für Sie zu.

Ja, da haben Sie recht. Manchmal denke ich: Wenn ich den Erfolg als Mann hätte, dann hätte ich ausgesorgt.

Sie müssen Geld verdienen, um sich Ihren Sport leisten zu können.

Zuerst mussten meine Eltern Geld verdienen, damit ich das tun kann. Nun übe ich neben meinen beiden Sportarten zwei Berufe aus: Ich mache die Polizeischule und arbeite als Finanzberaterin.

 

Klassische Doppelbelastung also.

Irgendwie schaffe ich das schon.

Sind Sie eine Emanze?

Ich finde, dieses Wort klingt furchtbar. Emanzipiert klingt etwas besser, aber selbst da steckt ein „man“ drinnen.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.03.2011)