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Wo sich auch die Gehirnzellen vernetzen

Das »Expert Network Kreativwirtschaft« zog den Vergleich zwischen Österreich und Deutschland.

Fast wie eine Gehirnzelle funktioniert die Kreativwirtschaft: Von allen Seiten kommen die Impulse, und in alle Richtungen gehen sie. Und genau das ist auch das Ziel des „Expert Network Kreativwirtschaft“, das sich Anfang März wiederum traf, um die richtigen Fragen und Anregungen den richtigen Gehirnzellen zuzuführen. Der kürzlich erschienene vierte Kreativwirtschaftsbericht war die Grundlage zur Diskussion der Frage „Wie heben wir das kreative Potenzial Österreichs?“. Gleichzeitig war er Anlass, die kreativwirtschaftliche Situation in Österreich mit der in Deutschland zu vergleichen.

Peter Voithofer, Geschäftsführer der „KMU Forschung Austria“ präsentierte Schlüsselfakten und -zahlen, die der Kreativwirtschaftsbericht aufzeigte. Daneben stellte Michael Söndermann vom Kölner Büro für Kulturwirtschaftsforschung die Zwischenergebnisse eines Monitorings der deutschen Kultur- und Kreativwirtschaft vor, das er noch bis 2012 leitet. Und schon am Anfang seiner Präsentation gestand Söndermann: „Ich muss neidisch anerkennen. Österreichs Kreativwirtschaft ist besser entwickelt als die deutsche.“ Die Zahlen lassen eine andere Deutung kaum zu: Der Anteil der Unternehmen, Beschäftigten und der Wirtschaftsleistung ist in der österreichischen Kreativwirtschaft höher.

Parallelen zwischen den Ländern gebe es trotzdem, meinte Söndermann: „Unsere Kreativwirtschaften sind ähnlich strukturiert. Die KMU sind hier wie dort wesentlicher Bestandteil des kreativen Potenzials der Wirtschaft.“ In Deutschland sorgen die Klein- und Kleinstbetriebe für 43Prozent der gesamten Umsätze in der Kreativwirtschaft.


Stark konzentriert. Söndermann gab Einblick in aktuelle Strategien in Deutschland, effiziente Wirtschaftspolitik für die Kultur- und Kreativwirtschaft zu betreiben. Dazu gehört unter anderem, die beiden Bereiche zu einem Tandem zusammenzuspannen, regionale Kompetenzzentren zu installieren, ein wissenschaftliches Monitoring durchzuführen sowie natürlich auch, Veranstaltungen zu ausgewählten Themen, Branchen und Akteure zu initiieren und zu realisieren. Auch ein Auszug aus dem „European Competitiveness Report 2010“ der EU-Kommission wurde gezeigt: Darin wurde deutlich, wie stark die Konzentration der Kreativwirtschaft Österreichs im Vergleich zu Deutschland und anderen Ländern ausfällt. Der sogenannte „Lokalisierungsquotient“ erreicht in Wien den Faktor 2,3. In München lediglich 1,8. In Athen überhaupt nur 1,3.

Zur Steigerung des Potenzials der Kreativwirtschaft meinte Gertraud Leimüller, Vorsitzende der creativ wirtschaft austria, getragen von der Wirtschaftskammer Österreich und dem Wirtschaftsministerium: „Wir müssen neue Instrumente schaffen, um kreative Leistungen an neue Kundengruppen heranzuführen und die Nachfrage stärker zu stimulieren“. Und Martha Schulz, Vizepräsidentin der WKÖ erklärte: „Beim Kundenpotenzial aus traditionellen Branchen hat die Kreativwirtschaft noch lange nicht den Plafond erreicht“. Die Verzahnung zwischen Technik, Wirtschaft und Kreativität müsse im besten Falle allerdings schon in der Ausbildung beginnen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.03.2011)