Ägypten: Muslime stürmen Christengemeinde

aegypten Muslime stuermen Christengemeinde
(c) REUTERS (STRINGER/EGYPT)

Eine Kirche und Häuser von Kopten sollen angezündet worden sein. Ein Pfarrer ist verschwunden. Auslöser des Aufruhrs soll die Beziehung eines Kopten zu einer Muslima gewesen sein.

In Ägypten soll nach Angaben des römischen Pressedienstes "Asianews" ein islamisches Dorf die örtliche Christengemeinde gestürmt haben. Demnach haben aufgebracht Muslime in der Nacht auf Samstag in Soul südlich von Kairo eine Kirche und Häuser von Kopten angezündet. Seither seien der Pfarrer von Soul und drei Diakone verschwunden, berichtete "Asianews" laut Kathpress am Samstag. Auslöser des Aufruhrs soll die Beziehung eines Kopten zu einer Muslima gewesen sein.

Die beiden betroffenen Familien hatten sich zunächst ausgesöhnt, obwohl die islamische Gemeinde einen Ehrenmord forderte, hieß es. Als der Vater sich weigerte, das Paar zu töten, habe ein Cousin des Mädchens den Vater ermordet. Aus Rache tötete daraufhin ein Bruder der Frau den Cousin.

Zum Schicksal der verschwundenen Geistlichen gab es unterschiedliche Angaben. So hieß es in einigen Berichten, sie seien im Feuer umgekommen, anderen Quellen zufolge sollen sie erschossen oder als Geiseln genommen worden sein. Das Militär, das im sieben Kilometer entfernten Bromil stationiert sei, habe sich bisher geweigert einzugreifen, meldete "Asianews".

In Ägypten kommt es gelegentlich zu lokalen Konflikten zwischen den Angehörigen der beiden Religionsgemeinschaften. Zur Jahreswende waren bei einem Bombenanschlag auf eine Kirche in Alexandria mehr als 20 Christen getötet worden. Die Behörden schrieben das Attentat einem Ableger des Terrornetzes Al-Kaida zu. Die christlichen Kopten machen rund zehn Prozent der Bevölkerung aus.